Fritz Stolz, "Rechnungen in der Endzeitökonomie", in: ZfR 8, 2000, 71-92.

Das ökonomische Modell des "rational choice", welches in der Religionssoziologie eine gewisse Rolle spielt, verdient eine kritische Evaluation, wobei sich eine Anknüpfung an die Fragestellungen von Marcel Mauss nahelegt. Religion kann - wie Wirtschaft - im Horizont eines Modells von Gütertausch betrachtet werden. Zu beachten ist, daß die unter Menschen zirkulierenden Güter ganz unterschiedlichen Charakter haben; neben materiellen Gütern, die verbraucht werden, gibt es immaterielle Güter, welche zum Beispiel einen sozialen oder religiösen Status verleihen. Der symmetrische Tausch stellt lediglich einen (ökonomisch besonders relevanten) Spezialfall dar, vielfach sind die Tauschverhältnisse asymmetrisch, was Macht- oder Fürsorgeverhältnisse impliziert. Den Bereich der Religion betrifft diese Problematik, wo Güter in irgendeiner Weise Grenzen des Unkontrollierbaren (des "Transzendenten") passieren oder berühren. Wenn diese Grenzen in der Erwartung eines nahe bevorstehendes Weltendes Gestalt finden, kommt es zu besonders intensiven Transaktionen und Transformationen von Gütern.

 

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