Nachdem sie den Titel "Elect Nation" und "God's own Country" von England nach Amerika transportiert hatten, wurden die puritanischen Theologen und Kolonieleiter im Rahmen ihrer millenaristischen Vorstellungen vor allem von zwei Fragen heimgesucht: Die erste war die nach dem Schicksal der "Ten Lost Tribes of Israel", die zweite die nach dem "Ursprung" der Native Americans. Waren sie "natural offsprings" der heimischen Erde, oder stellten sie vielmehr die ersten Kolonisateure dar, die vielleicht sogar Nachfahren der "Ten Lost Tribes" sein konnten? Die Theorie, welche die Native Americans zu Nachkommen der "Ten Lost Tribes of Israel" machte, war zugleich faszinierend und bedrohlich: Faszinierend, weil im millenaristischen Timetable die Konversion der Juden und die 'Heidenmission' vor der Parusie eine große Rolle spielen und die Puritaner Neuenglands um 1630-1640 sich selbst dadurch eine immense heilsgeschichtliche Position zusprachen. Bedrohlich wurde diese Annahme jedoch durch die in ihr angelegte Konkurrenz der beiden "New Israels", der "white-Anglo-Saxon-Puritans" und der "degenerated Barbarians".
Die Konversion der 'Indianer' konnte soviel bedeuten wie die 'Heimführung' der Juden in die christliche Kirche. Das Mißlingen der Mission allerdings, die Zurückweisung Christi durch die Native Americans und der Ausbruch des ersten Indianerkrieges in Neuengland 1636, entfachte eine prämillenaristische Rhetorik, deren Kern sich aus älteren antijudaistischen Quellen des christlichen Millenarismus speiste. Sie spielt im religiösen Radikalismus der USA bis heute eine immense Rolle.
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