Obwohl das Leben der meisten Menschen heute in einem religiös pluralistischen Rahmen verläuft, sind am aktuellen Euthanasie-Diskurs vorwiegend Judentum und Christentum beteiligt. Der Blick auf die Weltreligionen zeigt jedoch, dass die Diskussion weltweit in Bewegung kommt. Die religiösen Traditionen setzen verschiedene Akzente und liefern Impulse, vielleicht auch Herausforderungen für den gegenwärtigen Umgang mit Sterben und Tod. Alle Weltreligionen betrachten das Leben als ein hohes Gut, das es zu schützen und zu bewahren gilt. Aktive Euthanasie wird daher gänzlich verworfen oder nur sehr vorsichtig - unter bestimmten Umständen als Ausnahme zur Regel - erwogen und teilweise auch zugelassen. Große Unterschiede zeigen sich in den Auffassungen über die angemessenen Formen der passiven Sterbehilfe. Die religiösen Traditionen bilden jedenfalls verschiedene Kontexte für medizinisch-ethisch-juridisches Handeln, das jeweils eingebettet ist in bestimmte Weltbilder. Weltbilder, in denen auch die Frage nach der Bedeutung menschlichen Lebens und Sterbens jeweils spezifische Antworten findet.
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