Werner Vogd, "Soziobiologie als moralische oder religiöse Kommunikation? Überlegungen zu biologischen Selbstbeschreibungen unserer Gesellschaft", in: ZfR 9, 2001, 3-39.

Wenn Soziobiologen biologische Selbstbeschreibungen des Menschen anfertigen, um soziales Verhalten, Moral, Ethik und Religion zu erklären, kann der soziologische Beobachter sich die Frage stellen, ob nicht der Anspruch, Ethik und Religion evolutionär erklären zu wollen, selbst eine Form moralischer oder religiöser Kommunikation darstelle. Ausgehend von Luhmanns Betrachtungen zur religiösen und moralischen Codierung wird versucht, die Semantik soziobiologischer Selbstbeschreibungen herauszuarbeiten und dabei aufzuzeigen, welche Chiffren hierzu verwendet und welche Paradoxien hierbei entfaltet werden. Soziobiologisches Denken wird dabei zunächst in einem engeren Sinne betrachtet (hier besonders in der Prägung von Wilson). Als Kontrast werden in einem weitergehenden Sinne humanethologische Sichtweisen sowie die biologisch-epistemologischen Reflexionen von Bateson, Maturana und Varela hinzugezogen. Die Analyse zeigt auf, dass sich in diesen Denkweisen unterschiedliche Sinnformen aufspüren lassen, die als verschiedenartige ethisch-moralische Entwürfe rekonstruiert werden können, die teilweise Semantiken zeigen, die ein soziologischer Beobachter als religiös identifizieren könnte. Entwürfe biologischer Selbstbeschreibungen scheinen dabei umso verlockender, wenn das Geheimnis des Seins nicht allzu explizit formuliert wird. Die abschließende Diskussion stellt die Ergebnisse in einen weiteren gesellschaftlichen Zusammenhang, wobei versucht wird, dem irreduziblen Eigenen religiöser Kommunikation gerecht zu werden.

 

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