Inwiefern ist der Hallenser Missionswissenschaftler Hilko Wiardo Schomerus für die Religionswissenschaft so interessant, dass es lohnt, sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts seiner zu erinnern und ihm in der Disziplingeschichte der Religionswissenschaft einen festen Platz einzuräumen? Diese Frage soll in drei Schritten beantwortet werden. Zunächst wird Hilko Wiardo Schomerus in einer kurzen biographischen Skizze vorgestellt, danach seine Arbeitsweise umrissen und schließlich versucht, zu zeigen, wie er in der Zeit des sogenannten Dritten Reiches seine wissenschaftliche Integrität bewahren konnte.
Schon vor der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 hat Schomerus Stellung bezogen gegen die verzerrte Wahrnehmung und Darstellung der indogermanischen Religionsgeschichte vor allem in den Kreisen um Mathilde Ludendorff. Eine Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Leistung von Hilko Wiardo Schomerus ist auch im Abstand von mehr als einem halben Jahrhundert möglich und fruchtbar, ohne notwendigerweise auf die zeitgeschichtlichen Bedingungen seiner Entstehung Rücksicht nehmen zu müssen. Das Wirken des Hallenser Gelehrten ist ein Beispiel dafür, dass auch in Zeiten der Bevormundung durch eine totalitäre Ideologie die Konzentration auf eine methodisch kontrolliert arbeitende Religionswissenschaft zu Ergebnissen führt, die zu einem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnis beitragen.
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