Die akademische Laufbahn Walter Baetkes vollzog sich in einer Hochschullandschaft, die von den beiden großen totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts beherrscht wurde. Nachdem er sich gegen eine ideologisch motivierte Vereinnahmung durch die Protagonisten des Dritten Reiches erfolgreich gewehrt hatte, war er bald nach 1945 konfrontiert mit den nicht weniger motivierten Interessen der marxistisch-leninistischen Ideologie des real existierenden Sozialismus an der religionswissenschaftlichen Forschung. In beiden Fällen stand die Religionswissenschaft in der Gefahr, sich vereinnahmen zu lassen, indem sie die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen suchte, und der Wissenschaftler in der Versuchung, dem nachzugeben, um seine akademische Existenz zu sichern und seine Bedeutung in der Gesellschaft zu erhöhen. Wie Walter Baetke dieser Gefahr begegnete und wie er den Versuchungen widerstand, ohne akademische Existenz und gesellschaftliche Anerkennung zu verlieren, soll im Folgenden beleuchtet werden.
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