Carl Clemen (1865-1940) war von 1910 an der erste Professor, der das Fach Religionsgeschichte in Deutschland an einer Philosophischen Fakultät vertrat. Obwohl von seiner akademischen Ausbildung her Theologe, kam Clemen über die Beschäftigung mit den Religionen und religiösen Philosophien in der Umwelt des frühen Christentums zur Religionswissenschaft, deren Methode er in einer historisch-philologischen und interkulturell vergleichenden Interpretation von Quellen, insbesondere von schriftlichen Quellen, sah. Nach seiner altersbedingten Emeritierung 1933 setzte er sowohl seine akademische Lehrtätigkeit als auch seine Forschungen fort. Die veränderte politische und geistige Lage nach 1933 brachte es mit sich, dass Themen vor allem im Umfeld der germanischen Religionsgeschichte, die ihn schon seit vielen Jahren beschäftigt hatten, eine unerwartete Aktualität gewannen. Auf der Basis seines Verständnisses von Religionswissenschaft griff er wiederholt mit kritischen Beiträgen in die Auseinandersetzung seiner Tage ein.
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