Die Religionspolitik in der römischen Kaiserzeit wird untersucht in Bezug auf die rein politische, nicht kulturelle Integration des römischen Reiches: Die politische Einheit des Reiches ermöglicht, wenn nicht sogar fördert, Mobilität zwischen verschiedenen Gebieten und Kulturen, aber, anders als im Hellenismus nach Alexanders Tod, ohne eine in der Gesellschaft vorhandene assimilierende Kraft. Ziel der kaiserlichen Religionspolitik ist also auch die Steuerung von Ethnizität und die Herstellung eines kosmopolitischen religiösen Konsenses - oder koiné. Diese religiöse Politik ist allerdings der Suche nach einem politischen Konsens unterworfen - und die politischen Brüche führen zu brüsken Kursänderungen in der Religionspolitik. Diese werden in diachronischer Perspektive von der julisch-claudischen Dynastie bis zur Dynastie der Adoptivkaiser analysiert. Zuerst werden allerdings die verschiedenen zentrifugalen religiösen Tendenzen im Reich besprochen: Die polytheistischen Barbaren (Kelten und Ägypter, mit ihren untragbaren Menschenopfern beziehungsweise ihrem Tierkult) sowie die »Atheisten« (Juden und Christen, deren Monotheismus nicht als solcher verstanden wird); dazu kommt eine Analyse des Kulturwettkampfes zwischen Griechen und Etruskern beziehungsweise Juden.
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