Ein Ergebnis der Erfindung des Buchdruckes sind Flugschriften der frühen Reformationszeit, die zum ersten Massenmedium werden. Die Flugschriften sind Träger sowohl reformatorischer Gedanken, durch die die schnelle Ausbreitung der Reformation ermöglicht wurde, als auch astrologischer Prophetien, die zu einer breiten apokalyptischen und revolutionären Stimmung beitrugen.
In Anknüpfung an die astrologischen Geschichtskonstruktionen des Mittelalters (Abu Ma'shar) bringen im Jahr 1499 Johann Stöffler und Jakob Pflaum die erste "Sintflutprognose" für das Jahr 1524 im deutschsprachigen Raum in Umlauf. Weitere Prognosen von italienischen und deutschen Astrologen werden in der Folgezeit als Flugschriften verbreitet. Zwischen 1519 und 1525 erreicht die astrologische Flugschriftenproduktion einen Höhepunkt und induziert in allen Schichten und sozialen Ständen eine apokalyptische Stimmung.
Zeitlich vor, und dann parallel zur Sintflutprognose kommt die Prognose vom "kleinen Propheten" in Italien und Deutschland in Umlauf. Das ursprünglich für 1484 erwartete Auftreten des "kleinen Propheten" wird ex eventu auf Luther bezogen. Römisch-katholische wie reformatorisch gesonnene Theologen und Astrologen, auch Luther selbst, greifen diese Prognose auf und nutzten sie im jeweils eigenen religionspolitischen Interesse.
Parallel zu den astrologischen erreichen auch die reformatorischen Flugschriften zwischen 1519 und 1525 einen Höhepunkt. Die Ereignisse um Martin Luther bedingen dieses Anschwellen der Flugschriftenproduktion.
Der über die Flugschriften induzierte Kommunikationsprozess wirkt im Sinne einer religiösen und politischen Erneuerung meinungsbildend, so dass sich die Reformation im Zusammengehen mit astrologisch-apokalyptischen Vorstellungen durchsetzen kann.
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