Das Phänomen des Antiokzidentalismus ist aufgrund von aktuellen globalen Entwicklungen ins Blickfeld einer breiten (medialen) Öffentlichkeit geraten. These dieses Aufsatzes ist es, dass Antiokzidentalismus ein Phänomen älteren Datums darstellt, das als Pendant zu einem universalisierten westlichen Wertbezugssystem agiert und spätestens seit der Dekolonialisierungsphase Mitte des 20. Jahrhunderts präsent ist. Auf der Grundlage der Universalismus-Kulturrelativismus-Debatte, die zunächst vorausgeschickt wird, wird untersucht, welche kulturellen und historischen Erfahrungen und Entwicklungen den Konflikt zwischen dem europäischen "Westen" und "Osten" bestimmen und einen Rahmen zur Herausbildung antiokzidentaler Haltungen innerhalb der ostkirchlichen Tradition, namentlich innerhalb der griechischen Gesellschaft, bereithalten. Anhand des konkreten Beispiels der sogenannten "neo-orthodoxen" Geistesströmung wird schließlich der Versuch unternommen, solche antiokzidentale Haltungen in der heutigen griechischen Gesellschaft darzulegen und ihre Relevanz im Hinblick auf die Bestimmung des kulturellen Selbstverständnisses aufzuzeigen.
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