Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind in Ägypten international verbreitete Glaubensgemeinschaften präsent, die sich nicht ohne weiteres den staatlich anerkannten Religionen Islam, Judentum und Christentum zuordnen lassen. Neben den besonders heftig angefeindeten Baha'is und Zeugen Jehovas sind dies unter anderen Siebenten-Tags-Adventisten, Ahmadis und Mormonen. Die öffentliche Polemik gegen diese Religionsgruppen wird von muslimischen und koptischen Theologen dominiert; folglich werden neue Religionsgemeinschaften nicht in erster Linie als "Sekte", sondern als Häresie angefeindet. Verschwörungstheorien, die neue Religionsgemeinschaften der Zusammenarbeit mit Israel beschuldigen, sind weit verbreitet. Anhänger neuer Religionsgemeinschaften, vor allem die Baha'is, sind mit zahlreichen Rechtsproblemen konfrontiert. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit wird von ägyptischen Gerichten restriktiv ausgelegt und in seiner praktischen Anwendbarkeit auf die staatlich anerkannten Religionen und Konfessionen beschränkt. In mehreren Fällen sind Anhänger neuer Religionsgemeinschaften verhaftet worden, zuletzt eine Gruppe von Baha'i im Januar 2001.
© 2006 | www.zfr-online.de