In Sri Lanka begegnen wir dem Konzept von einem buddhistischen Idealstaat, das in der historiographischen Tradition der dortigen Buddhisten greifbar wird. Diese Ideologie propagiert die kollektive Verantwortung der singhalesischen Gesellschaft für die Bewahrung der buddhistischen Institutionen. Das schließt auch die gewaltsame Verteidigung des Buddhismus ein, wenn seine Institutionen als durch nichtbuddhistische Aggressoren bedroht erachtet werden. Die häufigen singhalesisch-tamilischen Konflikte der vorkolonialen Zeit werden in der klassischen singhalesisch-buddhistischen Historiographie üblicherweise von diesem Blickwinkel aus dargestellt. Auch in den Diskursen der Unabhängigkeitsbewegung und in der modernen antitamilischen Propaganda wurde auf diese Ideologie zurückgegriffen.
Dem daraus sich ergebenden ethischen Konflikt mit der buddhistischen Norm der Gewaltlosigkeit wird begegnet, indem die Autoren ein Ideal propagieren, das das persönliche Wohl dem kollektiven Wohl unterordnet. In einer Situation der gewaltsamen Verteidigung des Buddhismus bedeutet dies die Inkaufnahme individuellen negativen Karmas (durch Tötung von Lebewesen) zum Nutzen des Gemeinwohls (Fortbestand des Buddhismus). Dabei wird betont, dass karmisch negative Taten, auch wenn sie im Dienst des Gemeinwohls begangen werden, durch religiös verdienstvolle Taten wieder ausgeglichen werden müssen.
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