Michael Schetsche; Ina Schmied-Knittel, "Zwischen Pragmatismus und Transzendenz. Außergewöhnliche Erfahrungen in der Gegenwart", in: ZfR 13, 2005, 175-191.

Erfahrungen mit dem so genannten Übersinnlichen finden nicht nur in den Massenmedien ein breites öffentliches Interesse. Eine repräsentative Umfrage, die am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. in Freiburg durchgeführt wurde, belegt: Viele Menschen sind übersinnlichen Phänomenen gegenüber durchaus aufgeschlossen und haben auch schon entsprechende persönliche Erfahrungen gemacht. Bemerkenswert ist dabei, wie unterschiedlich die Bewertung solcher Erlebnisse durch die Betroffenen selbst ausfällt. Eine sich der Umfrage anschließende Nachbefragung zeigte, wie groß die Deutungs- und Interpretationsspielräume hier sind. Zwar bewerteten viele Betroffene ihre Erlebnisse als "unerklärliche" Ereignisse, bei denen die konkreten Erfahrungen als bedeutsam erlebt und emotional hoch besetzt erinnert werden. Generell fällt der Rekurs auf transzendente Qualitäten dieser Erfahrungen jedoch deutlich geringer aus, als man es erwarten könnte. Die meisten dieser Erlebnisse stellen das rationale Weltbild kaum in Frage. Es macht deshalb Sinn, von der Existenz eines säkularen Deutungsmusters des Übersinnlichen zu sprechen, das außergewöhnliche Erfahrungen als Alltagswunder erleben lässt. Der Aufsatz stellt die wichtigsten Befunde dieser Interviewstudie vor und schließt mit soziologischen Thesen, die die wichtigsten Merkmale dieses Deutungsmusters beschreiben.

 

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