Michael Klöcker; Udo Tworuschka (Hg.), Ethik der Weltreligionen. Ein Handbuch, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005, 310 S., ISBN 3-534-17253-1, 39,90 € [D]
Harald Baer; Hans Gasper; Joachim Müller; Johannes Sinabell (Hg.), Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen. Orientierungen im religiösen Pluralismus, Freiburg: Herder 2005, 1474 Sp., ISBN 3-451-28256-9, 39,90 € [D]
Kocku von Stuckrad (Hg.), The Brill Dictionary of Religion. Revised edition of Metzler Lexikon Religion, edited by Christoph Auffarth, Jutta Bernard and Hubert Mohr. Translated from the German by Robert R. Barr, 4 Bde., Leiden: Brill 2006, 2100 S., ISBN 90-04-12433-0, 499,00 € [D]
Trotz Internetrecherche bleiben gedruckte Lexika auch für die Zukunft eine entscheidende Quelle für Erstinformation zu einem bestimmten Thema, da man davon ausgehen darf, dass durch den editorischen Prozess Lexika(-Artikel) auch einer Qualitätskontrolle unterliegen. Fundierte Überblicksinformation wird auch durch die Neugestaltung von Studien in "breiter angelegten" Bachelor-Studiengängen für Studierende, nicht nur des jeweils eigenen Faches, sondern auch für Nachbarfächer, immer wichtiger, wobei Lexika dazu einen ersten Beitrag liefern können. Vor diesem Hintergrund sollen die drei Nachschlagewerke, die über weite Strecken auch auf die Gegenwartsbedeutung von Religionen Bezug nehmen, einer gemeinsamen Besprechung unterzogen werden.
Die "Ethik der Weltreligionen. Ein Handbuch" (im Folgenden: Handbuch) konzentriert sich auf 19 größere (Mehrfach-)Stichwörter mit ethischer Relevanz, z. B. Abtreibung/Empfängnisverhütung, Ehe und Familie, Gentechnologie, Mediengebrauch, Menschenrechte, Umgang mit der Umwelt/Tiere, Wirtschaft/Globalisierung. Zu jedem der Stichwörter werden in Unterabschnitten (von unterschiedlichen Autoren) die Positionen des Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Katholizismus und Protestantismus beschrieben, wobei es das Ziel der Herausgeber (S. 6) ist, sowohl zur jeweiligen "Lebensmitte" der Religionen vorzustoßen als auch die internen Richtungen zu berücksichtigen. Dieses Konzept wurde von den Autoren nur eingeschränkt durchgehalten; das Christentum ist hinsichtlich Katholizismus und Protestantismus gelungen differenziert, auch wenn man in Hinblick auf die Osterweiterung der EU inzwischen auch der Orthodoxie die gleiche Aufmerksamkeit einräumen sollte. Der Buddhismus und der Hinduismus werden jedoch eher pauschal behandelt, wobei auffällt, dass abgesehen vom sehr empfehlenswerten Buddhismus-Abschnitt über Gentechnologie (J. Schlieter) alle anderen Buddhismuseinträge aus einer Hand stammen (F. Usarski), was zu einer unterschiedlichen Qualität der Beiträge geführt hat; positiv zu nennen sind die Artikel Erziehung, Sport, Krieg/Frieden. Für den Hinduismusteil sind eine Anzahl von Autor(inn)en verantwortlich, eine durchgehende Schwäche der Hinduismus-Beiträge liegt m. E. darin, dass sie meist der Beschreibung der klassischen Situation verhaftet bleiben und kaum Reflexion über gegenwärtige Probleme von Ethik in einer sich wandelnden Welt ansprechen; eine erfreuliche Ausnahme bildet das Stichwort "Umgang mit Minderheiten" (H. Rüstau). Die Stärke des Handbuches liegt in den Artikeln zu Judentum (alle von H.-J. Loth), Katholizismus und Protestantismus, die nicht nur durch innerreligiöse Differenzierungen, sondern auch durch Gegenwarts- und Deutschlandbezug nützlich sind, beim Judentum auch zusätzlich mit konkreten Bezügen zum modernen Israel. Hier kann der Leser zahlreiche Materialien und Anregungen für Ethik-Diskurse finden. Einige Stichwörter (z. B. Bekleidung) sind für Ethik vielleicht weniger relevant, im kombinierten Stichwort "Essen, Trinken, Hungern, Fasten" wird der ethische Wert des Fastens reduziert. Somit bleibt manches im Handbuch eher allgemein, wobei man mehr religionswissenschaftliche Reflexion und Differenzierung (beides trotz der notwendigen Kürze) gewünscht hätte. Dieses Manko dürfte z. T. mit der Autor(inn)enauswahl verbunden sein, da nur etwas mehr als 10 Prozent der Autor(inn)en explizit als Religionswissenschaftler(innen) ausgewiesen sind (vgl. das Verzeichnis S. 308-310). Trotz solcher Einschränkungen ist das Werk als Erstinformation zu "Ethik" und für Einführungskurse (Proseminare) empfehlenswert.
Das "Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen" (im Folgenden: Lexikon) ist die völlig neu bearbeitete Ausgabe des 1990 erschienenen "Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen". Gegenüber der ursprünglichen Auflage wird die Bezeichnung "Sekten" im Titel bewusst vermieden (vgl. S. vi), obwohl man auch keinen grundsätzlichen "Paradigmenwechsel" gegenüber der Originalauflage anstrebt, weshalb auch das ursprüngliche Stichwort "Sekten" (Sp. 1189-1196) bewusst beibehalten und um die "neuere Diskussion zur Problematik des Begriffs" (Sp. 1196-1200) ergänzt wurde. Zugleich betonen die Herausgeber aber, dass es ihnen nicht um Abwehr oder Angriff, sondern um "Orientierungen im religiösen Pluralismus" (so der Untertitel, vgl. auch S. viii) mit objektiven Beschreibungen geht. In rund 320 Artikeln soll dies geleistet werden, wobei manche nicht mehr relevanten Themen gegenüber der Erstauflage nicht mehr behandelt wurden. Meines Erachtens zeigt die Einleitung das Dilemma des Buches: Man will sich zwar von der "Sektendiskussion" frei machen, bleibt aber derselben durch die Wahl mancher Autoren bzw. die kaum veränderte Übernahme von Artikeln der Originalausgabe dennoch verhaftet. Einige der (fast völlig unverändert gebliebenen) Artikel sind Adventbewegung, Animismus, Aufklärung, Geheimbünde, Jesus Christus, Neuoffenbarung, Sahaja Yoga. Dass dadurch Aktualität leidet, zeigt sich z. B. darin, dass Lebensdaten unvollständig bleiben (Die Neuoffenbarerin Anita Wolf von der "Vereinigung Treuhandgruppe" starb bereits 1989, vgl. Sp. 882; der Thai-Mönch Buddhadasa, der sich in seiner Buddhismus-Deutung auch mit Jesus Christus befasste, starb bereits 1993, vgl. Sp. 646). Manche Artikel hätte man wegen nicht mehr vorhandener Relevanz streichen können, z. B: Meher Baba. Dass aber nicht alle neu verfassten Artikel automatisch besser sind als die alten, kann man bei Sri Chinmoy (Sp. 1234-1237) oder bei Yeziden (Sp. 1387-1390) sehen, andererseits gibt es Fälle, in denen der neue Artikel zwar einen misslungenen Artikel der Erstauflage ersetzt, aber eigentlich nur ansatzweise besser ist (z. B. Baha'i, Sp. 116-122). Einige Artikel verdienen positiv hervorgehoben zu werden, da sie auch religionswissenschaftlich ausgewogen sind und dadurch dem Anliegen des Werkes, als objektive Beschreibung zur Orientierung im religiösen Pluralismus beizutragen, gerecht werden; einige Beispiele: Biographieforschungen, Chinesische Religiosität, Electronic Church, Falungong oder Zivilreligion. Bei New Age ist der neu geschriebene Abschnitt 1 ausgezeichnet, die beiden unverändert aus der früheren Auflage übernommenen Abschnitte 2 und 3 mindern aber entscheidend die Gesamtqualität des Artikels. Genau darin liegt somit der Schwachpunkt: Das Lexikon schwankt zwischen sehr guten und schlechten (bis tendenziösen) Eintragungen, wobei manche Artikel durch einen deutlicheren Deutschlandbezug noch zusätzliche Informationskraft zur "Orientierung im religiösen Pluralismus" gewinnen könnten (z. B. Hinduismus im Westen; Sai Baba; Buddhismus und Buddhismus im Westen, wobei diese beiden Artikel nicht besonders gelungen aufeinander abgestimmt sind; Afroamerikanische Religionen). Wenn man von einem Lexikon verlässliche und ausgewogene Informationen erwartet, so erfüllt das vorliegende Lexikon diese Erwartungen nicht, so dass es für Religionswissenschaftler oder Studierende, die sich schnell über religiösen Pluralismus orientieren wollen, nicht empfohlen werden kann.
Das anspruchsvollste und umfangreichste Werk ist das "Brill Dictionary of Religion" (im Folgenden: Dictionary), dessen deutsches Original seit einigen Jahren bereits gute Dienste für eine einem klar kulturwissenschaftlichen Ansatz verpflichtete deutsche Religionswissenschaft leistet, aber auch wegen dieses konsequent durchgehaltenen Ansatzes manchmal in Frage gestellt wird. Dieses Programm einer Richtung der deutschsprachigen Religionswissenschaft macht das Dictionary nunmehr englischsprachigen Lesern bequem zugänglich - und kann somit eine bemerkenswerte Stimme sein, um der deutschsprachigen Religionswissenschaft auch international Gehör zu verschaffen. Die Unterschiede zur deutschen Fassung sind gering: einige Artikel wurden neu hinzugefügt oder geschrieben (z. B. M. Eliade, Esalen Institute, Hermetism, M. Weber, Zoroastrianism), andere weggelassen (Erster Mai, Goethe, Hildegard von Bingen, Jesiden, Parsismus). Hilfreich ist, dass im Dictionary die Zeittafeln, die im 4. Band der deutschen Auflage etwas disparat platziert waren, nun jeweils am passenden Artikel angefügt sind, was den Nutzen sicherlich erhöht. - Ein Anliegen der englischen Ausgabe war es, einen allzu expliziten Deutschland- bzw. Europabezug zu vermeiden, wobei letzteres m. E. nur bedingt geschehen ist. Dadurch liegen die Stärken des Dictionary besonders in der Beschreibung von religiösen Veränderungen, der Rolle von Religionen und der Religionsdiskussion im westeuropäischen und nordamerikanischen Kontext. Dies spiegeln klarerweise all jene Begriffe wider, die aus einer kulturwissenschaftlichen Diskussion stammen. Der Titel des Dictionary macht diese (einschränkende) Ausrichtung kaum deutlich, so dass man zwar Überblicksartikel zu größeren Regionen oder wichtigen Ländern findet, manchmal vielleicht auch etwas der Zufälligkeit geschuldet. Die beiden Einträge Indonesia und Southeast Asia überraschen, da Indonesien bekanntlich nach internationaler Konvention ein Teil von Südostasien ist. Die Teilung in zwei Artikel dürfte dabei durch religiöse Linien "Islam" bzw. "Buddhismus" bewirkt worden sein, eine Teilung, die allerdings zu grobmaschig ist. Bezüglich der Auswahl von Ländern oder Orten könnte man natürlich auch fragen, warum beispielsweise Israel keinen eigenen Eintrag erhält, wohl aber Iran, warum nicht Athens, wenn New York oder Kyoto. Ebenfalls unklar blieb mir die Auswahl von einzelnen Religionswissenschaftlern; dass Eliade für die englische Übersetzung neu aufgenommen wurde, mag durch den angestrebten Leserkreis erklärt werden, bei Weber mag es vielleicht das Interesse des Herausgebers gewesen sein - aber warum eigentlich nicht auch Durkheim usw. Die Erstellung einer Lemmata-Liste für Lexika ist sicherlich ein Problem, wobei eine solche Liste gerade bei einem zu übersetzenden Werk vorgegeben ist; da aber offensichtlich Veränderungen möglich waren, hätte eine tiefer gehende Überarbeitung den Wert des Dictionary - ohne den Gesamtcharakter total zu verändern - erhöhen können. Insofern bleibt der Eindruck ambivalent: Einerseits als Positives, dass hier ein Konzept deutschsprachiger Religionswissenschaft, eben eine explizit kulturwissenschaftliche Ausrichtung mit klarem Europabezug, internationalisiert wird, andererseits macht die Übersetzung zugleich deutlich, dass dieses Konzept nicht alle Bereiche des Faches Religionswissenschaft ausgewogen abdeckt. Der sehr hohe Preis dürfte das Dictionary für englischsprachige Einzelpersonen nur selten erschwinglich machen, für Institute in Mitteleuropa, die bereits das deutsche Original besitzen, ist in Zeiten knapper Kassen die Anschaffung des Dictionary eher auch nicht von vorrangiger Priorität.
Dass einzelne Beiträge in einem Nachschlagewerk kritisiert werden können, liegt in der Natur der Sache, da unterschiedliche Autoren das ihnen gestellte Thema von verschiedenen Blickrichtungen erfassen - manchmal präziser, manchmal auch weniger gelungen. Fragt man nach dem Gesamtwert eines Nachschlagewerkes, liegt in solchen Einzelbeiträgen nicht das entscheidende Beurteilungskriterium, sondern darin, wie weit das Werk den eigenen Anspruch erfüllen konnte. Am konsequentesten hat dabei sicherlich das Dictionary seinen programmatischen Anspruch auch ausführen können, so dass es in dieser Hinsicht besser gelungen ist als die beiden anderen Nachschlagewerke. Am weitesten hinter dem eigenen Anspruch blieb m. E. das Lexikon zurück, das weiterhin neue Religionen teilweise tendenziös behandelt, womit das Lexikon sich der Chance beraubte, für den wichtigen Bereich des religiösen Pluralismus eine solide Informationsquelle zu schaffen. Das Handbuch schließlich nimmt eine "Mittelposition" ein, indem Judentum und Christentum sehr empfehlenswert sind - leider gerade jene Religionen, deren "Ethiken" auch anderenorts leichter zugänglich sind, während Islam (meist mit dem jeweils kürzesten Eintrag unter einem Thema) sowie Hinduismus und Buddhismus bei Erstinformationen stehen bleiben; bei einer Zweitauflage des Handbuchs, die man sich wünschen kann, sollte daher gerade bei diesen drei Religionen auf eine stärkere jeweils religionsinterne Differenzierung und manchmal Fokussierung in Hinblick auf aktuelle Fragestellungen zur Ethik gegenüber dem historischen Rückgriff gedrängt werden.
Manfred Hutter, Bonn
Schaul Baumann, Die Deutsche Glaubensbewegung und ihr Gründer Jakob Wilhelm Hauer (1881-1962), Marburg: Diagonal-Verlag 2005 (= Religionswissenschaftliche Reihe 22), 281 S., ISBN 3-927165-91-3, 25,00 € [D]
Die Wissenschaftsgeschichte der Religionswissenschaft in ihrer Verwobenheit mit zeitgenössischen religiösen und ideologischen Tendenzen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird seit einigen Jahren von Tübingen aus intensiv bearbeitet. Nach der Ringvorlesung zur Religions- und Geistesgeschichte der Weimarer Republik, dem Sammelband "Antisemitismus, Paganismus, Völkische Religion" und den Monographien von Ulrich Nanko, Horst Junginger und Hiroshi Kubota gehört auch das vorliegende Werk in diese Reihe, auch wenn der Autor damit 1998 an der Hebrew University in Jerusalem promovierte. Ausgehend von den Verhältnissen an der Universität Tübingen und von der Person des Religionswissenschaftlers und Indologen Jakob Wilhelm Hauer wird wie bei den genannten Monographien auch im vorliegenden Band der Blick auf die größeren geistes-, religions- und disziplingeschichtlichen Zusammenhänge gerichtet.
Was Baumanns Buch von den anderen unterscheidet, ist die Person des Autors. Der gebürtige Wiener Baumann musste 1939 wegen des Nationalsozialismus nach Palästina emigrieren. Er ist damit zugleich Zeitzeuge und Betroffener dessen, was er untersucht und beschreibt. Das Programm, das er sich vorgenommen hat, ist wohl auch deswegen für einen einzelnen Wissenschaftler an der Grenze des Bewältigbaren. Baumann fragt nach der Einstellung der Deutschgläubigen zum Judentum, nach der Bedeutung des Rassebegriffs für deren Glauben und nach kirchlichen Vorbildern ihrer Religiosität. Er will darüber hinaus "das zeitliche und räumliche Umfeld der völkischen Bünde und ihrer Entwicklung" untersuchen "sowie das Bedürfnis in Deutschland nach einer allgemeinen, kollektiven Glaubensgrundlage"; und ihn interessiert die konkrete Ausgestaltung des Deutschen Glaubens vor dem Hintergrund des NS-Regimes. Jede einzelne der Fragen böte Stoff für eine eigene Monographie. Baumann geht damit gleichsam einen Schritt auf die deutsche Religionsgeschichte zu, um sie anhand von Hauer und der Deutschen Glaubensbewegung analysierend und nach den Ursachen für Rassismus und Antisemitismus im Denken und religiösen Fürwahrhalten befragend zu verstehen.
So kommt diesem Buch ein Wert zu, der den wissenschaftlich-akademischen Diskurs im engeren Sinn übersteigt: der besteht nicht nur in der Symbolkraft und der kaum zu würdigenden Größe der Geste, die allein schon in der Durchführung dieses Unternehmens besteht, sondern auch in der damit dokumentierten Zusammenarbeit zwischen der sich den Abgründen der eigenen Fachvergangenheit stellenden jüngeren Generation Tübinger Religionswissenschaftler mit einem israelischen Historiker, der die religiösen Wurzeln von Rassenhass und Antisemitismus im Wirken Jakob Wilhelm Hauers und seiner Mitstreiter zu ergründen sucht. Das gilt, auch wenn Baumann gelegentlich zu Allgemeinaussagen neigt, die zu einer gewissen Unschärfe seiner Argumentation führen. Die Art und Weise, wie er dagegen 'Hardliner' der nationalsozialistischen Herrschaft wie Paul Zapp, Matthes Ziegler oder Lothar Stengel von Rutkowski portraitiert, ihren Werdegang und ihr Wirken vor, während und nach dem Dritten Reich schildert, ist allerdings in ihrer Sachlichkeit und Unbestechlichkeit höchst eindrucksvoll.
Baumanns Darstellung wird am dichtesten, wenn er wie etwa bei der Wiedergabe der Sportpalastrede vom 26. April 1935 die Originaltexte sprechen lässt und sie mit kurzen Zwischenbemerkungen argumentativ zusammenfügt; interessant ist auch der Rekurs auf die in Deutschland schwer greifbare englische Fassung der "Deutschen Gottschau", die 1937 unter dem Titel "Germany's New Religion" in London erschien. So entsteht ein lebendiges Bild von Hauers religiös-ideologischem Denken und seinem teilweise opportunistischen Handeln, das belegt, wie überzeugt Hauer von dem war, was er verkündete, und wie sehr er tatsächlich bereit war, sich trotz partieller Zurückweisung durch einige Protagonisten des Regimes in den Dienst des Nationalsozialismus zu stellen. Hauer "konnte einfach nicht verstehen, warum von Himmlers und Heydrichs anfänglichem Interesse an seinen Glaubensideen zwei Jahre später einfach nichts mehr übrig sein sollte", beschreibt Baumann zutreffend den Zustand religiöser Inbrunst, in dem der Tübinger Religionswissenschaftler gleichsam als Prophet der Deutschgläubigen auch noch nach deren organisatorischer Auflösung agierte.
Fritz Heinrich, Göttingen
Tanja Scagnetti-Feurer, Religiöse Visionen, Würzburg: Königshausen & Neumann 2004, 341 S., ISBN 3-8260-2868-6, 39,80 € [D]
In der Religionsgeschichte sind Visionen ein zentrales Medium der Offenbarung und damit entscheidend für Religionsgründungen, Häresien oder mystische Erfahrungen. Wie aber können diese Aspekte des menschlichen Erlebens angemessen verstanden werden? Wie ist das Verhältnis von spiritueller Erfahrung zu Psychopathologie, also zu Wahn und Psychose? Diesen Fragen geht die Schweizer Psychologin Tanja Scagnetti-Feurer in dem Band "Religiöse Visionen", ihrer erweiterten Lizentiatsarbeit, in umfassender und gründlicher Weise nach.
Nach einer ausführlichen Begriffsbestimmung der Konzepte Religiosität, Spiritualität und transpersonale Erfahrung bzw. einer Phänomenologie der Vision (Teil A) werden Modelle von Visionen aus verschiedensten Perspektiven dargestellt (Teil B). Die Autorin bezieht in diesem Teil sowohl die Literatur der sog. Transpersonalen Psychologie mit ein, als auch verschiedene Bewusstseinsmodelle, Interpretationen mystischen Erlebens aus den Religionen selber und nicht zuletzt Ergebnisse von Psychopathologie und Psychiatrie. Im dritten Teil der Arbeit (Teil C) klassifiziert die Autorin Visionen anhand ihrer Wirkungen, um so Hinweise auf eher adaptive bzw. dysfunktionale Effekte von Visionen zu bekommen. Dieser theoretische Teil der Arbeit ist Grundlage für eine eigene empirische Untersuchung (Teil D). Scagnetti-Feurer interviewt insgesamt 9 Personen zu ihren Visionen. Die Befragten sind entweder der Gruppe 1, psychisch Kranke (Erhebung über eine psychiatrische Klinik) oder der Gruppe 2, Gesunde (Erhebung über eine Ausbildungsgruppe transpersonale Psychologie) zugeordnet. Ziel der Interviewanalyse (Teil E) ist es, Merkmale und Charakteristika psychopathologischer und spiritueller Visionen zu benennen und damit die beiden Bereiche voneinander abgrenzen zu können. Als einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Gruppen sieht die Autorin die mit den Visionen verbundene psychische Inflation in Gruppe 1. Visionen werden in diesem Fall in Bezug auf die eigene "Größe, Auserwähltheit, Besonderheit und Bedeutung" (S. 295) interpretiert und können in der Regel nicht in die psychische Gesamtstruktur integriert werden. Visionen innerhalb eines spirituellen Schulungsweges seien dagegen gekennzeichnet durch größere Distanz zum Erleben und die Möglichkeit einer adaptiven Integration in das eigenen Leben.
Die vorliegende Arbeit gibt - aus psychologischer Sicht - einen guten Eindruck gegenwärtiger Interpretationsmöglichkeiten von Visionen und ist daher sehr zu empfehlen.
Sebastian Murken, Trier
Hartmut Heuermann, Religion und Ideologie. Die Verführung des Glaubens durch Macht, Tübingen: Franke Verlag 2005, 343 S., ISBN 3-7720-8106-1, 29,90 € [D]
Das zu besprechende Buch wartet mit dem Versprechen auf, Religion und Ideologie als zwei Phänomene einander gegenüberzustellen und deren Verhältnis zueinander zu bestimmen. Hinsichtlich der Diskussionen um den Religionsbegriff wäre hier eventuell ein weiterer Klärungsvorschlag zu erwarten. Doch bereits der Untertitel weist deutlich darauf hin, dass sich schon im Buchtitel eine Vorabthese verbirgt: "Die Verführung des Glaubens durch Macht". Dieser Untertitel ist programmatisch zu lesen und verrät viel über die Zielrichtung des Buches. Denn er zeigt, wie dieses Verhältnis näher zu bestimmen sei, oder anders gesagt, wann Religion durch Ideologie korrumpiert werde: nämlich genau dann, wenn sich ihr Kern, der Glaube, durch ein ihm wesensmäßig fremdes Prinzip namens Macht oder genauer: durch die "Machtversessenheit" und das "Machtstreben" des Menschen verführen lässt und damit zur Ideologie degeneriert. Die Religionsgeschichte des Verhältnisses von Religionen und Macht wird in den entsprechend ausgedehnten mittleren Kapiteln des Buches (S. 50-314) nicht historisch-distanziert und systematisch innovativ untersucht, sondern von vornherein daraufhin befragt bzw. "verhört", ob Religionen der Humangesellschaft verträglich seien oder nicht. Die Antwort ist zweischneidig: zumeist lautet sie in einem Parcoursritt durch die kleine Kriminalgeschichte der jüdisch-christlich-islamischen Religionsereignisse: nein; aber im letzten Kapitel in Bezug auf die "verinnerlichte", dem Machtstreben abholde mystische Erfahrungsdimensionen lautet die Antwort: ja - aber eben nur als ideologiefreier Weg der Mystik. Hiermit ist Ausgangspunkt, Weg und Ziel des Buches beschrieben und wer will, mag auch die aus zweiter Hand gearbeitete und nach genannter Maßgabe bewertete "Ideologiegeschichte" der abrahamitischen Religionen nachlesen: Das Thema von Macht und Religion wird von den Texten ausgehend als "geistliches Fundament" (S. 43) der Folgegeschichten aufgegriffen und in den Gewaltfolgen zunächst im Islam allgemein, dann in den Kreuzzügen, in der Inquisition, im Umgang mit den sog. Ketzern, im Antisemitismus, in den Machtstrukturen des "klerikalen Patriarchats", bei den Konquistadoren, im Vatikan, bei Hitler, in den USA und schließlich im Fundamentalismus allgemein nachgezeichnet. Wer sich für die üblichen Verdächtigen interessiert, dessen Gedächtnis wird aufgefrischt und mit Beispielmaterial gefüttert. Doch der Disziplin Religionswissenschaft sind hier keine neuen Wege gebahnt. Religionsbestimmungen zwischen "kreatürlicher Hinfälligkeit" und Betrachtung des "Göttlichen" (S. 11) sind längst als begriffstheoretisch naiv in der Asservatenkammer des Faches gelandet. Der Zusammenhang von Macht und Religion wird zwar oberflächlich zu Foucault in Beziehung gesetzt, aber nicht theoretisch ausgebaut. Dabei ist dieser Komplex bereits bei Bourdieu um einiges kürzer, aber auch niveauvoller und weiterführender angesprochen. Auch die religionshistorischen Rekonstruktionen des Gewaltthemas sind andernorts nicht nur origineller, sondern auch zuverlässiger vorgenommen worden. Und Ideologie wird wieder nur als Diffamierungsfloskel aufgebaut. Argumentationsfutter für den popularisierten "Kampf der Religionen" und das "Frieden stiftende Potenzial der Mystik" - das kann aus dem Buch bezogen werden, aber keine religionswissenschaftlichen Analysen.
Jürgen Mohn, Basel
Hans Joas; Hans G. Kippenberg (Hg.), Interdisziplinarität als Lernprozeß. Erfahrungen mit einem handlungstheoretischen Forschungsprogramm, Göttingen: Wallstein Verlag 2005, 102 S., ISBN 3-89244-858-2, 16,00 € [D]
Das Buch präsentiert in einem Panorama von fünf Artikeln Interdisziplinarität, wie sie am Max-Weber-Kolleg in Erfurt vertreten wird. Ausgangsthese aller Artikel ist, dass die längst zum wissenschaftlichen Alltag gewordene Interdisziplinarität eines ausgewogenen Verhältnisses von alten und neuen Wissenschaftsbildern, disziplinärer und grenzüberschreitender Arbeitsmethoden bedarf. Ziel ist, dass "die Vorteile der 'Disziplinierung' nicht verschenkt, ihre Beschränkungen aber überwunden werden sollen" (S. 10). So beschreibt das Gründungsmitglied Dieter Langewiesche, wie die Einsamkeit des Forschens und das Gespräch der Kollegsmitglieder die Arbeit prägen, und betont die Vorzüge der besonderen Struktur des Max-Weber-Kollegs, die gewährleiste, dass Stipendiaten und Betreuende anders als herkömmliche Graduiertenkollegs gemeinsam forschen. Wie sich das heutige Verständnis der Disziplinen aus dem akademischen System Frankreichs entwickelt hat, rekonstruiert Johan Heilbron in seinem Beitrag und stellt uns für die Zukunft vor die Optionen einer transdisziplinären Wissenschaft als "Problemlösung in actu" oder einer Neuverhandlung der Disziplinengrenzen innerhalb der Sozialwissenschaften. Der Artikel von Silke Köser zeigt, wie in der Praxis interdisziplinären Arbeitens neue Quellen erschlossen werden können und der methodische Kanon einer Disziplin erweitert werden kann, ohne diese aufzugeben. Am Gegenstand Religion führt Hans G. Kippenberg die enorme Fruchtbarkeit der interdisziplinären begrifflichen Reflexion vor Augen, verweist aber auch auf die Gefahr mangelnder Validierung beim Übergang von Befunden von einer Disziplin zur anderen. Abschließend greift Hans Joas in seinem Artikel noch einmal den dem Kolleg zugrunde liegenden Ansatz der Handlungstheorie auf und entwickelt darauf basierend sein Zukunftsprogramm zur Rehumanisierung der Sozialwissenschaften. "Interdisziplinarität als Lernprozess" ist kein Buch zu Methoden oder Gegenständen von Interdisziplinarität oder Handlungstheorie und grenzt sich auch begrifflich gegen Multi- oder Transdisziplinarität nicht ab. In seiner apologetischen Darstellung des Arbeitsmodus am Max-Weber-Kolleg positioniert es sich vor allem in einem Diskurs fortwährender Umstrukturierung der Universität auf Kosten der Kulturwissenschaften. Der im Titel zitierte Lernprozess bezieht sich daher nicht nur auf das interdisziplinäre Arbeiten selbst, sondern zielt auf ein Umdenken innerhalb der Wissenschaftspolitik. Für die per se multidisziplinäre Religionswissenschaft ist der Erfahrungsbericht aus dieser ihr in vieler Hinsicht eng verbundenen Einrichtung ein überaus positives Signal. Aufgrund des erhöhten Finanzbedarfs ist es aber leider mehr als wahrscheinlich, dass dieses Modell interdisziplinären Forschens eine Ausnahme bleiben wird.
Markus Wachowski, Berlin/Bremen
Vasilios N. Makrides; Jörg Rüpke (Hg.), Religionen im Konflikt. Vom Bürgerkrieg über Ökogewalt bis zur Gewalterinnerung im Ritual, Münster: Aschendorff Verlag 2005, 288 S., ISBN 3-402-03500-6, 14,80 € [D]
Der hier rezensierte Band macht einige Vorträge der DVRG-Tagung in Erfurt (2003) in gedruckter Form zugänglich. Das Spektrum der behandelten Themen besticht durch zeitliche Tiefe und geographische Breite. Es umfasst Beispiele aus der europäischen Religionsgeschichte der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, der Zeit der Kreuzzüge, der Gegenreformation und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Vergleichshorizonte dienen die aktuellen Konflikte im Nahen Osten, die sog. 'Dalit-Bewegung' in Indien, die Weltanschauungen gewaltbereiter Umweltschützer in den USA sowie die Expansionssemantik von G. W. Bush und Cyrus dem Großen. Texte von S. Bergmann, G. Filoramo, B. Lincoln, E. Picard und B. Taylor bereichern die Publikation durch Querverweise zur internationalen Religionswissenschaft.
In ihrer Gesamtheit vermitteln die versammelten Aufsätze einen faszinierenden Überblick nicht nur über die Rolle religiöser Traditionen in Konfliktsituationen, sondern auch über die vielfältigen religionswissenschaftlichen Zugänge zu diesem Gegenstandsbereich. Die Analysen christlicher Mysterienspiele und Liturgie binden die Diskussion an Ritualtheorien zurück. Die Beiträge zur Situation im Nahen Osten sowie zur Ökologiebewegung betonen die enge Verbindung zwischen den ethnischen, ökonomischen und religiösen Dimensionen von Konflikten. Schließlich verweisen unterschiedliche Fallanalysen darauf, wie eng religiöse Konflikte mit sozialer Devianz verwoben sein können.
Das weite Spektrum der Themen und Ansätze reflektiert den Ansatz der Organisatoren der Erfurter Tagung, religiöse Phänomene in ihrem kulturellen Kontext zu analysieren und Interdependenzen zwischen unterschiedlichen Phänomenbereichen herzustellen. Ein solcher Anspruch erfordert eine explizite theoretische Einbettung oder doch zumindest eine heuristische Vergewisserung über den gesamten Gegenstandsbereich und legt damit eine interdisziplinäre Programmatik nahe. Einige potenzielle Anknüpfungspunkte sind dabei leider weitgehend ungenutzt geblieben. So finden sich in den Beiträgen keine Verweise auf Ansätze, welche individuelle Konfliktmotive (Pawlow, Skinner), sozial strukturierte Konfliktverläufe (Simmel, Dahrendorf) oder mögliche Strategien zur Konfliktlösung (Rapoport, Galtung) formuliert und diskutiert haben. Eine stärker systematisierende Einleitung (oder auch kurze biographische Notizen zu den Autoren) hätten dazu beigetragen, den religionswissenschaftlichen Beitrag des Bandes stärker zu konturieren.
Der hiermit angedeutete Hiatus ist zunächst der Logik eines Tagungsbandes geschuldet, dessen Herausgeber einzelne Beiträge aus dem weiten Spektrum religionswissenschaftlicher Ansätze auswählen mussten. Darüber hinaus benennt er strukturelle Spannungen, mit denen sich jede religionswissenschaftliche Annäherung an interdisziplinäre Fragestellungen auseinander setzen muss. Vor diesem Hintergrund kann man die hier rezensierte Publikation als belastbare Basis für die weitere Bearbeitung systematischer Überlegungen beschreiben. Sie regt zu weiterführenden Überlegungen an und eröffnet nicht nur der Religionswissenschaft sehr interessante Vergleichsperspektiven.
Karsten Lehmann, Bayreuth
Edith Franke (Hg.), Fremd und doch vertraut. Eindrücke religiöser Vielfalt in und um Hannover, Marburg: Diagonal-Verlag 2005, 192 S., ISBN 3-927165-92-1, 15,00 € [D]
Das Buch besteht im Wesentlichen aus Beiträgen von Studierenden des Seminars für Religionswissenschaft der Universität Hannover. Laut Vorwort verfolgen die AutorInnen zwei Ziele, sie möchten zum einen über die lokale Religionsvielfalt und zum anderen über die Religionswissenschaft als solche informieren. Letzteres ist insbesondere Thema des einleitenden Artikels der Herausgeberin und sie betont im Rahmen einer Darstellung der Religionswissenschaft ausdrücklich den ihrer Auffassung nach zentralen Wert der lokalen, an Kontext und Empirie orientierten Religionsforschung.
Die thematische Zweigleisigkeit "Religionen und Religionswissenschaft" durchzieht das ganze Buch. Der Leser ist vielleicht aufgrund von Titel und Untertitel am ersten Part mehr, am zweiten weniger interessiert; Informationen bekommt er zu beiden. So werden aus dem religiösen Spektrum Hannovers verschiedene religiöse Gemeinschaften vorgestellt; der Leser soll erfahren, dass es mehr gibt als katholisch und evangelisch. Ein spiritueller Singkreis und eine dem Neuheidentum zugerechnete Gruppe sind u. a. Beispiele für neue, alternative Formen der Sinnsuche. Ein anderer Schwerpunkt ist die christliche Vielfalt vor Ort, von den Mormonen bis hin zu den Jesus Freaks, und Beiträge zu islamischer und buddhistischer Religiosität runden das Ganze ab. Durch die Einbettung der lokalen Religionsformen in historische Zusammenhänge sowie durch unterschiedliche thematische Fragestellungen, z. B. Konversion, Jugend- oder Sozialarbeit, kommt ein das Lokale überschreitender Informationswert hinzu, wobei dieser Wert für den an Religionen interessierten Laien größer sein mag als für den Religionswissenschaftler. Auf dem religionswissenschaftlichen "Gleis" nimmt die Darstellung empirischer Forschungsmethoden, z. B. der teilnehmenden Beobachtung und des narrativen Interviews, viel Raum ein. Neben einem besonderen Artikel zur Nähe-Distanz-Problematik werden Methodenfragen in fast allen Beiträgen erneut aufgegriffen, für den Leser streckenweise etwas ermüdend, v. a. wenn Methodenbewusstsein hin und wieder zu protokollähnlichem Schreibstil führt.
Bemerkenswert ist die deutliche Präsenz der ForscherInnen in ihren Beiträgen. Hier spiegelt sich die Nähe-Distanz-Thematik auf eigene Weise und die gegenseitige Bezogenheit von forschendem Subjekt und erforschtem Objekt ist unübersehbar. Man erfährt z. B., dass ungewollte Nähe zum Abbruch der Feldarbeit führen kann, dass persönliche Zugänge von Bedeutung und Gegenfragen mitunter irritierend sind. Diese "Integration" der Forscherpersönlichkeit ist ungewohnt, im Hinblick auf die Ergebnisse der Studien aber angenehm relativierend. In der Bewusstmachung der subjektiven Anteile in der wissenschaftlichen Arbeit liegt möglicherweise ein weiterer - auch im Hinblick auf die Religionswissenschaft allgemein sowie die Wissenschaft überhaupt - nicht zu unterschätzender Wert der lokalen Religionsforschung.
Cordula Conrad, Königswinter
Daniel Cyranka, Lessing im Reinkarnationsdiskurs. Eine Untersuchung zu Kontext und Wirkung von G. E. Lessings Texten zur Seelenwanderung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht UniPress 2005, 522 S., ISBN 3-89971-198-X, 62,00 € [D]
Friedrich Schleiermacher (1768-1834) gilt als einer der Vorläufer oder Ahnen der Religionswissenschaft. Religion versteht er wesentlich vom Gefühl her, und es lässt sich wahrscheinlich machen, dass er zu dieser Position u. a. aufgrund der Lektüre der Werke Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) gelangt ist. Über Rudolf Otto (gest. 1937) ist diese Position in die Religionswissenschaft des 20. Jh. vermittelt worden (Wassilios Klein, Das Gefühl im Verständnis von Religion bei G. E. Lessing, in: Sprache, Mythen, Mythizismen, FS Walter Beltz, hrsg. v. A. Drost-Abgarjan u. J. Tubach in Verbindung mit M. Zakeri, Teil 3, Halle 2004 [HBO 32/01], 893-906). Das Thema "Seelenwanderung" nimmt auf den ersten Blick so wenig Raum in Lessings Werk ein, dass man sich (zunächst) wundert, eine 522 Seiten starke Doktorarbeit im Fach "Ökumenik und Religionswissenschaft" zu solch einem Thema präsentiert zu bekommen.
Vf. nähert sich dem Thema im ersten Teil des Buches (S. 13-203) mit einem Blick auf die Wirkungsgeschichte, die von der Esoterik über theologische und religionsgeschichtliche Debatten bis zur germanistischen Lessing-Forschung reicht. Im zweiten, ausführlicheren Teil (S. 205-467) analysiert er jene Passagen im Werk Lessings, die auf "Seelenwanderung" zu sprechen kommen, nämlich in Äußerungen zu Karl Wilhelm Jerusalem, in "Die Erziehung des Menschengeschlechts", in Anmerkungen zu den "Philosophischen Gesprächen" des Joachim Heinrich Campe und im Zusatz zum "Fragment über die Sinne", das sind Anmerkungen zu Charles Bonnets "Philosophischer Palingenesie". Im Ergebnis stellt er fest, dass es in den Zusätzen zur Jerusalem-Veröffentlichung gar nicht um die Seelenwanderung geht. In der "Erziehungsschrift" und in den "Anmerkungen zu Campe" kommt er zwar darauf zu sprechen, aber in ganz anderen Kontexten. Erst im Zusatz zum "Fragment über die Sinne" ist von Seelenwanderung um der Seele willen die Rede. So erkennt Vf. in der Wirkungsgeschichte ein Konstrukt, das Lessings kurze und versprengte Äußerungen zum Thema Seelenwanderung zu einer mehr oder weniger schlüssigen Seelenwanderungslehre zusammenfasst, ein Konstrukt, das sich in der Forschungsliteratur fortsetzt. Außerdem macht Vf. noch einmal deutlich, dass es eine rein westliche Seelenwanderungsthematik gibt (vgl. H. Zander, Geschichte der Seelenwanderung in Europa, Darmstadt 1999).
Das Buch ist formal einwandfrei, es ist methodisch mit seiner zahlreiche Faktoren berücksichtigenden Kontextualisierung und seiner sauberen Quellenkritik ein Lehrstück für Studierende und in seinem Ergebnis mehr als nur ein Werk über Lessings an sich unbedeutende Äußerungen zur Seelenwanderung. Es führt Gesetzmäßigkeiten einer erstaunlichen Wirkungsgeschichte vor und zeigt, dass die Beschäftigung damit mehr bringen kann als die mit dem ihr zugrunde liegenden Werk. Das Buch werden nicht nur Lessing-Interessierte mit Gewinn lesen, sondern alle, die sich für den Seelenwanderungsdiskurs im Abendland interessieren. Eine feine Dissertation.
Wassilios Klein, Bonn
Bernhard Maier, Stonehenge. Archäologie, Geschichte, Mythos, München: Beck 2005 (= Beck Wissen), 109 S., ISBN 3-406-50877-4, 7,90 € [D]
Bei dem allgemein positiven Tenor, den die in der ZfR rezensierten, ausgewählten Bücher erfahren, ist es schwierig, ein Werk hervorzuheben, das hohes Lob in jeder Hinsicht besonders verdient. Bernhard Maier, Religionswissenschaftler und derzeit Professor für Keltisch an der Universität Aberdeen, hat mit "Stonehenge" ein schmales, aber inhaltsschweres Bändchen vorgelegt, das geeignet ist, mit manchem phantasievollen Unsinn im Umkreis der europäischen prähistorischen Megalithkulturen aufzuräumen. Dabei geht der Autor nüchtern und systematisch vor: er behandelt nacheinander die Architektur der Anlage und ihre Baugeschichte, zieht mit Gewinn Vergleiche zu älteren oder zeitgleichen Anlagen und beleuchtet anschließend Struktur, Ökonomie und Weltbild der Gesellschaften, die sich zunächst mit hölzernen, dann mit steinernen Kreisgrabenanlagen ein dauerhaftes Denkmal setzten. Damit nicht genug; die Ausführungen werden ergänzt durch eine knappe Darstellung der Forschungsgeschichte einschließlich der damit verbundenen romantischen Spekulationen und enden mit einem Ausflug in die Welt heutiger Epigonen, die sich in den letzten Jahrzehnten zu esoterischen Zirkeln unter dem Stichwort "Druidenorden" zusammengefunden haben.
Der interessanteste Teil ist aber unzweifelhaft Maiers Versuch der Klärung der Funktion von Stonehenge und vergleichbaren Anlagen sowie ihrer Stellung im Weltbild der späten Neolithiker und frühen Bronzezeitleute. Seiner Deutung stellt Maier (und damit ist er im Kreise der Religionswissenschaftler eine löbliche Ausnahme) eine ebenso knappe wie informative Methodendiskussion voran, um anschließend seinen eigenen und wohlbegründeten Ansatz vorzustellen, der sich vielleicht am besten als religionssoziologisch-ökologisch beschreiben lässt, der aber auch die historische Entwicklung der fraglichen Weltanschauung berücksichtigt. Aus dieser Sicht sind Stonehenge und vergleichbare Anlagen die materiellen Relikte einer Kultur, in der die Solidarität einer Gruppe Voraussetzung für ihr Überleben war und in der auch kultisches Handeln in erster Linie der "Sicherung der Lebensgrundlagen und [der] Bewahrung der gesellschaftlichen Ordnung" (S. 50) diente. Hengeanlagen dienten in diesen Kulturen der Ermittlung wichtiger kalendarischer Eckdaten zur Bestimmung des rechten Zeitpunktes für Aussaat und Ernte, sie waren Opferstätten, sie künden von einer Solidargemeinschaft zwischen Lebenden und Verstorbenen und sie belegen die Territorialität einer Gesellschaft, in der Landbesitz zu einer ebenso wichtigen wie begrenzten Ressource geworden war.
Mit dieser Deutung legt Maier eine ebenso nüchterne wie nachvollziehbare und überzeugende Deutung der britischen Henges vor. Das Buch sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der sich mit Weltanschauungen megalithischer Kulturen, vor allem in der Vorgeschichte, beschäftigt, es sei aber wegen seiner Fülle von Informationen auf knappem Raum auch jedem empfohlen, der sich für Steinkreise, Druiden und vorgeschichtliche Sonnenaufgangsspektakel interessiert.
Ina Wunn, Hannover
Ida Oggiano, Dal terreno al divino. Archeologia del culto nella Palestina del primo millennio, Roma: Carocci, 2005, 294 S., ISBN 88-430-3523-1, 26,20 € [D]
Die Religionsgeschichte Palästinas/Israels ist traditionellerweise eine Domäne der Bibelwissenschaft (von der Biblischen Theologie über die alt- und neutestamentliche Exegese bis zur sog. "Biblischen Archäologie"). Ganz besonders gilt dies im Gefolge der Harnack'schen Arbeitsteilung im deutschsprachigen Wissenschaftsraum, mit zwei Konsequenzen: Zum einen bleibt das Verhältnis von Religionsgeschichte und Theologie vielfach ungeklärt. Darstellungen der "biblischen Religionsgeschichte" operieren dann mit theologischen Prämissen, und sei es nur, dass in ihnen - z. B. in der "Religionsgeschichte Israels in alttestamentlicher Zeit" von R. Albertz (Göttingen 1992) - die master story der sog. "geschichtlichen Bücher" der Bibel (Genesis bis Könige, Chronik, Esra-Nehemia, Makkabäer ...) die Epochengliederung bzw. -bewertung und damit die Grundstruktur des Geschichtsbildes prägt. Zum andern orientieren sich auch Religionswissenschafter oft sehr unkritisch am biblischen "Mythos" und ignorieren neuere Forschungen zur Archäologie, Ikonographie und Epigraphik. Was gegenwärtig in der "Europäischen Religionsgeschichte" angesagt ist (die Entwicklung eines in Fragestellung, Methode und Quellenbasis zur herkömmlichen Kirchengeschichtsschreibung alternativen Forschungsprogramms), wäre für die Religionsgeschichte Palästinas/Israels als Teil der levantinischen bzw. mediterranen Religionsgeschichte nicht weniger dringlich.
Dies würde Kenntnis von und Auseinandersetzung mit neuen archäologischen, ikonographischen und epigraphischen Forschungen erfordern. Deren Ergebnisse findet man nur selten so dicht gebündelt wie in dem hier angezeigten Buch: In den ersten vier, nach Epochen gegliederten Kapiteln werden Befunde präsentiert, die Archäolog(inn)en und Alttestamentler(inne)n mittlerweile geläufig sein mögen, in der deutschsprachigen Religionswissenschaft aber kaum wahrgenommen werden. Als fünftes Kapitel folgt eine Art Exkurs, der dem Jerusalemer Tempel gewidmet ist, einem bislang bekanntlich nur literarisch bezeugten Artefakt. Lassen sich biblische Beschreibung und archäologische Befunde von anderen Orten zu einem plausiblen Bild kombinieren? Die Fragen der Verfasserin ("Il primo tempio è mai esistito?") sind radikaler als ihre durchwegs gemäßigten Antworten. Sie plädiert für eine Deutung des vorexilischen Tempels, die sich primär an der Kleinkunst des 8. Jh. orientiert. Im sechsten Kapitel verfährt die Autorin dann eher systematisch: Wo vollzog man nach Auskunft der Archäologie kultische Handlungen ("Dove praticavano il culto")? Wie definiert bzw. erkennt man als Archäologe überhaupt einen "spazio sacro"? Was wurde dort mit welchen Objekten getan ("Come praticavano il culto")? Welche Bedeutung hatten Musik, Tanz, Opfer, Bankette usw.? Wer wurde verehrt und auf welche Weise dargestellt ("Chi adoravano e como lo rappresentavano")? In diesem Kapitel werden auch Probleme der Theoriebildung und Methodologie zur Sprache gebracht, teilweise im Gespräch mit genuin religionswissenschaftlicher Literatur - allerdings nicht der italienischen bzw. römischen Schule (U. Bianchi, D. Sabbatucci u. a.): Trotz gänzlich anderer institutioneller Rahmenbedingungen als im deutschen Sprachraum scheint es mit der Interdisziplinarität der Forschung zur Religionsgeschichte Palästinas/Israels auch in Italien nicht zum Besten bestellt zu sein. Das einschlägige amerikanische Standardwerk von Ziony Zevit (The Religions of Ancient Israel. A Synthesis of Parallactic Approaches, 2001) bietet in theoretischer Hinsicht wesentlich mehr und sei hier als ergänzende Lektüre empfohlen.
Ein Wort zum forschungsgeschichtlichen Kontext des Buches: Zwar findet sich hier manches, was schon in "Göttinnen, Götter und Gottessymbole" von O. Keel und Ch. Uehlinger (1992, 52001) vorgezeichnet war. Doch ging es dort in erster Linie um ikonographische Zeugnisse für Gottesvorstellungen, wogegen I. Oggiano, wie gesagt, die kultische Praxis zum Ausgangspunkt nimmt und außerdem ein seither verstrichenes Jahrzehnt weiterer Forschung berücksichtigen kann. Sie steht in der großen Tradition der italienischen Archäologie in Syrien (P. Matthiae, Stefania Mazzoni), die sich nun anschickt, den Bogen bis nach Palästina zu spannen. Mit C. Grottanelli oder P. Xella wird die levantinische auch konsequent als Teil der mediterranen Religionsgeschichte verstanden. Insofern neben Israel und Juda immer auch die Philister, Phönizier, Aramäer und die transjordanischen Nachbarn behandelt werden, handelt es sich um ein gelungenes Beispiel von "lokaler bzw. regionaler Religionsgeschichte". In chronologischer Hinsicht folgt Oggiano der neuerdings von Israel Finkelstein entwickelten "low chronology", welche die Einbettung der palästinischen Befunde in ihren levantinischen Kontext entschieden erleichtert.
Dal terreno al divino scheint einem problematischen Vektor zum "Göttlichen" oder "Heiligen" zu folgen, aber der erste Eindruck trügt. Immerhin ist beides im hier beschriebenen Kulturraum als emische Kategorie inschriftlich bezeugt und archäologisch korrelierbar, also als kulturelles Konstrukt erforschbar. Oggianos Buch bietet keine Phänomenologie des Kultes, sondern eine kulturgeschichtliche Rekonstruktion auf der Grundlage archäologischer Quellen. Ihr Programm ist ernst zu nehmen und füllt eine Forschungslücke. Dem Buch wäre eine Übersetzung zu wünschen.
Christoph Uehlinger, Zürich
Felix Körner, Revisionist Koran Hermeneutics in Contemporary Turkish University Theology. Rethinking Islam, Würzburg: Ergon-Verlag 2004, 199 S., ISBN 3-89913-373-0, 29,00 € [D]
Die vorliegende Publikation ist streng genommen nicht für eine Rezension unter religionswissenschaftlichen Gesichtspunkten geeignet. Der Bamberger Islamkundler Felix Körner untersucht in seiner Promotionsarbeit die koranwissenschaftlichen Werke von vier türkischen Theologen der sog. "Ankaraner Schule" und bewertet aus philosophischer bzw. theologischer Perspektive deren hermeneutische Ansätze für ein neues Islamverständnis. Körners ideen- und rezeptionsgeschichtliche Einordnung dieser 'Hochschultheologie' ist präzise, die philologisch-philosophische Durchdringung der oft umständlich formulierten Schriften äußerst beachtlich, aber eine religionswissenschaftliche Analyse findet nicht statt. Beispielsweise hätte man die "Ankaraner Schule" auch aus netzwerksoziologischer Perspektive bzw. deren Publikationen als typisch hybride, "post-orientalistische" Synkretismen untersuchen können. Dass seine Arbeit dennoch von religionswissenschaftlichem Belang ist, liegt an Körners Anliegen, die theologischen Positionen der türkischen Koranwissenschaftler nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu bewerten bzw. (und das passiert sehr oft in der Arbeit) ad absurdum zu führen. Ganz explizit will der Autor - "as participant in the same discussion" - direkt in die gegenwärtige türkische Koranexegese eingreifen, um darin anderen Muslimen Vorbild zu sein ("the discoveries may as well be interesting and inspiring for the Muslim world", S. 21). Damit verstößt Körner wohlwissentlich (S. 16-21; 46 f.) gegen ein Grundprinzip religionswissenschaftlichen Arbeitens, das der epoche, und nimmt dessen religionskritische Ansätze allzu wörtlich ("to discover blind spots in Islamic theology", S. 47). Das führt dann dazu, dass Körner lehrbuchhaft - und natürlich auch etwas vorhersehbar - die Unzulänglichkeiten normativer Argumentationsweisen vorführt, aber auch eine schon fast penetrante Besserwisserei zur Schau stellt ("the author fails to distinguish"; "the author does not take philosophy seriously"; "the author should see himself confronted with these objections"; und besonders unverblümt: "Güler's answers do not completely satisfy the inquiring mind", S. 191, u. a.). Man kann die Frustration Körners über den unbefriedigenden Stand der gegenwärtigen islamischen Koranwissenschaft ("they are selling the Koran under price", S. 204) durchaus nachvollziehen. Aber man sollte doch nicht in die Haltung eines Missionars verfallen, den "zurückgebliebenen" Muslimen die hohe Kunst philosophischer Disputation vorexerzieren bzw. ihnen einbläuen zu wollen, wie man es denn richtig macht - schon gar nicht, wenn man das eigene Buch mit dem arabischen Schriftzug zieren lässt Ihdina as-sirat al-mustaqim: "Führe uns den geraden Weg", [Q.1:6], und gleich gar nicht, wenn man wie Körner Mitglied der Gesellschaft Jesu ist (S. 6)! Dass es, wie Körner in Fn. 19, S. 21 behauptet, ein lebhaftes Interesse unter muslimischen Gelehrten geben soll, solche Werke für eine konstruktive Rezeption ins Türkische zu übersetzen, kann der Rezensent schlichtweg nicht nachvollziehen.
Eine abschließende formale Bemerkung: Die eigenwillige Entscheidung des Autors, die Promotionsarbeit auf Englisch zu publizieren, mag aus marktwirtschaftlichem bzw. missionsstrategischem Blickwinkel gerechtfertigt sein; zu einer besseren Lesbarkeit der Arbeit hat sie aber nicht beigetragen. Lässt man einmal die vielen Formulierungen beiseite, die im Englischen unüblich oder schlicht falsch sind - schon allein der Titel ist ein "Misnomer" (aus vermutlich "Gegenwärtige türkische Hochschultheologie" wird "Contemporary Turkish University Theology", was eigentlich "Theology at Contemporary Turkish Universities" heißen muss) -, so sind viele Formulierungen so verworren, dass sie erst dann richtig verständlich werden, wenn man sie wortwörtlich ins Deutsche zurückübersetzt - ein doch recht mühseliges und zeitaufwändiges Verfahren. Da Körner beim Leser sowieso Deutschkenntnisse voraussetzte (sämtliche Zitate deutsch schreibender Autoren blieben in den Fußnoten unübersetzt), hätte man auch den Text so belassen können.
Dass trotz dieser Einwände die Lektüre des Buches mitunter sehr aufschlussreich ist, liegt daran, dass es dem Verfasser gelingt, die gegenwärtigen theologischen Positionen türkischer Gelehrter detailreich und scharfsinnig darzulegen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es gegenwärtig kein anderes Werk gibt, dass einen ähnlich exemplarischen Einblick in die türkische Koranwissenschaft bietet.
Andreas Christmann, Manchester
Christian Stahmann, Islamische Menschenrechtskonzepte. Islamische Menschenrechtskonzepte und das Problem sogenannter "islamischer" Menschenrechtsverletzungen in Pakistan seit 1977, Würzburg: Ergon-Verlag 2005, 315 S., ISBN 3-89913-418-4, 49,00 € [D]
Der Verfasser analysiert die jüngere Menschenrechtsdebatte in Pakistan vor dem Hintergrund der Scharia mit Schwerpunkten auf Frauenrechten, dem Strafrecht und der Religionsfreiheit. Die Dissertation wurde an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Heidelberg im Fach Sozialethik eingereicht. Der Autor arbeitet normativ, wie deutlich wird, als er seine Position zwischen einer universalistischen und einer relativistischen Menschenrechtshaltung darlegt, die er in Anlehnung an neuere westlich-wissenschaftliche Debatten als kulturpluralistisch bezeichnet wissen möchte: Der Universalismus wird unter Anerkennung lokaler Diskurse abgelehnt, aber angesichts der universellen Gültigkeit und Debatte bestimmter Normen nicht ganz relativiert. Bezugsrahmen ist nicht ein religions- und kulturübergreifender Menschenrechtsdiskurs, sondern das Verhältnis vielfältiger islamischer und universalisierter christlich geprägter Positionen (S. 11 f.).
In leicht induktiv wirkender Weise werden vier juristische Autoritäten zu den Menschenrechten befragt: Abu l-A[la al-Maududi, Rashida Patel, pakistanische Religionsgelehrte ([ulama]) und die Human Rights Commission of Pakistan. Sie vertreten vier im Vorfeld theoretisch begründete Diskurse: den islamistischen, den modernistischen, den traditionellen und den säkularen, mit dem Ergebnis, dass die Debatte vielfältig ist. Entgegen dem Klischee von der starren antimodernen Scharia sollen Facetten einer immer schon vorhandenen anpassungsfähigen innerislamischen juristischen Hermeneutik verdeutlicht werden (S. 52 f.).
Die Stärken der Arbeit liegen in der Rekonstruktion der pakistanischen Menschenrechtsauffassungen im größeren islamischen Kontext. Dabei werden Mechanismen der Adaption schariatrechtlicher Instrumente in einem modernen Rahmen deutlich, so die hudud-Strafen, die in Pakistan seit 1979 kodifiziert sind, obwohl die Scharia traditionell kasuistisch funktioniert. Dies hat weniger zur angestrebten Reislamisierung geführt als z. B. zur Benachteiligung von Vergewaltigungsopfern, die sich jetzt gegen den Vorwurf des Ehebruchs zur Wehr setzen müssen.
Diese und andere Beispiele dienen Stahmann dazu, den Unterschied zwischen einer rein theoretischen Menschenrechtsdebatte und politisch-rechtlichen Realitäten zu verdeutlichen, die es in den Blick zu nehmen (S. 199, 276 ff.) und zu modifizieren gälte (S. 278 ff.). Der Autor bezieht Position für die Menschenrechte und plurale pakistanische Auffassungen derselben, wobei seine Deskription Maududis ohne erkennbaren Verweis auf dessen problematisch starke Rezeption als relativistisch wahrgenommen werden kann. Seltsam berührt dies angesichts der kritischen Lesart der Arbeiten Bassam Tibis, der unbestimmt sowohl als Repräsentant islamisch-säkularer Rechtsauffassungen (S. 37) als auch als wissenschaftlicher Diskursgegner positioniert wird (S. 23 f., 30 f., 80), indem ihm zugespitzt ein reduziertes antimodernes Islam- und Schariabild unterstellt werden. Der Leser fragt sich unwillkürlich nach der nicht ganz klar definierten Haltung des Verfassers zum Laizismus, zumal die exemplarisch für einen säkularen Islam herangezogene Human Rights Commission nicht eigentlich weltlich, sondern multireligiös geprägt ist.
Bärbel Beinhauer-Köhler, Zürich
Michael Stausberg, Zarathustra und seine Religion, München: Beck 2005 (= Beck Wissen), 128 S., ISBN 3-406-50870-7, 7,90 € [D]
Endlich, möchte man sagen, endlich muss man sich nicht mehr durch Stausbergs mehrbändige Werke kämpfen, wenn man sich lediglich kurz und knapp einen Überblick über die Religion Zarathustras verschaffen will. Der nicht nur im deutschsprachigen Raum ausgewiesene Experte in Sachen Zoroastrismus hat sein zuletzt bei Kohlhammer in drei Bänden veröffentlichtes Wissen hier auf 128 Seiten komprimiert. Das Beck'sche Taschenbüchlein, dem derzeit kein anderer Verlag etwas entgegenzusetzen hat, ist keineswegs oberflächlich oder populärwissenschaftlich, sondern gespickt mit religionswissenschaftlichen Fragestellungen, Analysen, Interpretationen und Diskussionen, die einen Laien überfordern könnten. Die vom Verlag vorgegebenen formalen Vereinfachungen (Verzicht auf Fußnoten, ausführliche Zitierweisen und Literaturangaben) schmälern den Wert dieses Überblicks nicht. Vorhanden sind zudem ein nutzerfreundliches Register und eine kurze Kommentierung der wenigen Monographien zum Thema. Die Ausführungen werden ergänzt von 2 Karten und 8 Fotos. Insbesondere die Aufnahmen von Ritualen sind erfreulich, da sie die wenig bekannte und von vielen als ausgestorben vermutete Religion lebendig werden lassen.
Der Abschnitt über die religiösen Konzepte mit zahlreichen Zitaten aus dem Avesta ist zuweilen schwer lesbar, was wohl nicht nur an der Komplexität des Themas liegt, sondern auch an Stausbergs Anspruch, möglichst umfassend zu informieren. Anschaulich beschreibt er das heutige Leben und die aktuellen Aufgaben der an Mitgliedern schwindenden und weit verstreuten Religionsgemeinschaft. Hierin liegt eine der Stärken dieses Buches. So zeigt Stausberg z. B., dass das allseits bekannte und nicht nur Nietzsche und frühere Religionswissenschaftler faszinierende Phänomen des Dualismus heute kaum noch im Vordergrund steht. Anstatt auf theologische Diskurse konzentrieren sich zoroastrische Priester und Laien auf rituelle Praktiken und Herausforderungen der Moderne. Stausberg erläutert den demographischen Rückgang (Kinder aus Mischehen werden nicht aufgenommen), Priestermangel (Umsattlung vieler Priester auf säkulare Berufe aus Prestigegründen), ökologische Probleme beim Umgang mit Verstorbenen (Einsatz von Chemikalien, da die für die Totenzeremonie notwendigen Aas fressenden Geier aussterben) und vieles mehr, jeweils die Situation in den Hauptsiedlungsgebieten Iran und Indien unterscheidend.
Vergeblich sucht man einen Verweis auf Yeziden, die zwar von Zarathustriern nicht als solche angesehen werden, sich selbst aber zuweilen mit der Religion Zarathustras in Verbindung bringen. Ein Abschnitt über Zarathustrier in Deutschland existiert ebenso wenig, lediglich Hamburg wird als einer von mehreren europäischen Orten mit iranisch-zarathustrischen Vereinigungen erwähnt. Beide Aspekte hätten ein Beleg für die Aktualität des Themas in diesem Land sein können. Insgesamt ist das Büchlein aber eine hervorragende Übersicht und ein gelungener Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Weiterbeschäftigung.
Helga Barbara Gundlach, Hannover
Stephan Schmidt, Die Herausforderung des Fremden. Interkulturelle Hermeneutik und konfuzianisches Denken, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005, 240 S., ISBN 3-534-18927-2, 44,90 € [D]
Stephan Schmidt, Philosoph und Sinologe, der selbst längere Studienaufenthalte in der VR China, in Japan und Taiwan verbracht hat, nimmt in seiner philosophischen Dissertation mit einem hermeneutischen Ansatz das Problem des Fremdverstehens erneut in den Blick. Um abstrakte Theorienbildung zu vermeiden, unternimmt er das Experiment, einerseits selbst fremde, in diesem Fall chinesische konfuzianische Texte zu verstehen und diesen Verstehensvorgang gleichzeitig philosophisch zu reflektieren. Aus der analytischen Dokumentation dieses eigenen Verstehensvollzugs sollen dann allgemeine Schlussfolgerungen für eine Methodologie interkultureller Hermeneutik gezogen werden. Die Arbeit ist daher dreigeteilt. In einem ersten Teil soll das Selbstverständnis als Ausgangsbedingung und Vorverständnis jeden Verstehens des westlichen Lesers anhand einer von Autoren wie Mead, Taylor, Heidegger, Ricoeur, MacIntire und Gehlen her entwickelten philosophischen Analyse der Begriffe (kulturelle) Identität, Narration und Begriff dargestellt werden. In einem zweiten Teil soll es um das Fremdverstehen gehen. Hier wird der Konfuzianismus als Vertreter fremden Denkens sinologisch entlang einiger zentraler Begriffe wie li (übersetzt als "Bahnen des Verhaltens"), ren ("Mitmenschlichkeit"), renxing ("menschliche Natur"), li ("Li") und qi ("Qi") vorgestellt. Der dritte Teil als Versuch einer methodologischen Schlussfolgerung der ersten beiden Teile behandelt wieder im Rekurs auf Vertreter abendländischer Theorien (Wittgenstein, Habermas, Winch, Rorty, von Humboldt) das gegenseitige Verstehen und das Problem interkultureller Verständigung dabei und versucht im Anschluss an den eigenen hermeneutischen Vollzug, Möglichkeiten und Grenzen des Fremdverstehens für den westlichen philosophischen Diskurs zu formulieren.
Das angekündigte Experiment ereignet sich nicht, da er den Texten nicht selbst neu als Fremden begegnet, sondern sich ausschließlich auf Textinterpretationen der Sekundärliteratur bezieht, deren westliche Begrifflichkeit er sich zu eigen macht. Indem Schmidt einen Abgleich von Darstellungen der Sekundärliteratur mit ganz spezifischen philosophischen Fragestellungen vollzieht, vergleicht er zwei westliche Produkte, und da stellt sich die Frage, ob der Vergleich ausgerechnet dieser beiden Dinge sinnvoll ist und warum er ihm wichtig und relevant erscheint.
Religionswissenschaftlich ist die Arbeit bereichernd, weil sie wichtige philosophische Teile des weiten Diskursfeldes um Fremdverstehen gut und verständlich zusammenfasst. Die ethnographischen, soziologischen, systemtheoretischen, theologischen und religionswissenschaftlichen Debatten zum Thema sind freilich ausgeblendet, es findet sich nirgends ein Bezug auf die in der Missions-, Religions- und Kulturwissenschaft hoch ausdifferenzierte Debatte zu interreligiöser Hermeneutik, dem Fremdverstehen, dem Anderen, zu Alterität oder Xenologie. Die Arbeit zeigt damit ein weiteres Mal, wie wenig sich die institutionell geprägten Fachdiskurse aufeinander beziehen. Dass der Autor dann in der eigenen konkreten Arbeit mit dem Fremden selbst in die von ihm beschriebenen Probleme hineingerät, fällt zunächst nur Sinologen auf und ist daher primär sinologisch unbefriedigend. Der religionswissenschaftliche Gewinn für Nichtsinologen und Nichtphilosophen liegt in der guten Einführung sowohl in die philosophische Fremdheitsdebatte als auch in die allgemeinen Grundbegriffe chinesischen Denkens.
Joachim Gentz, Göttingen
Gerald Willms, Scientology. Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz, Bielefeld: Transcript 2005, 422 S., ISBN 3-89942330-5, 29,80 € [D]
Viel ist in den letzten Jahren zum Thema "Scientology" geschrieben worden, wissenschaftliche Arbeiten sind darunter eher selten. Nun hat Gerald Willms mit seiner soziologischen Dissertation die - so die Verlagswerbung - "erste umfassende deutschsprachige Scientology-Analyse, die keinem normativen Ansatz verpflichtet ist," vorgelegt.
Die Kernthese des Autors besagt, dass die scientologische Lehre und Praxis, anders als es die "Devianzkonstruktion des öffentlichen Diskurses" behaupte, auf den Rationalitätsvorstellungen und den damit verbundenen Werten (Gewinnorientierung, Fortschrittsglaube, Wissenschaftlichkeit etc.) der modernen westlichen Gesellschaft basiere. Der Gedanke ist nicht wirklich neu, aber dies am konkreten Material gezeigt zu haben, darin liegt sicherlich das Verdienst dieser Arbeit.
Als theoretischen Rahmen seiner These führt Willms den Begriff der "(modernen) Kulturwertperspektive" ein, den er allerdings bewusst nicht genauer definiert (S. 19). Dieser sehr weit gefasste Begriff erlaubt ihm den zweiten Teil seiner These. Er behauptet nämlich, dass nicht nur Scientology ein "normalgesellschaftliches" Phänomen sei, sondern dass die Protagonisten der öffentlichen Kritik an Scientology letztlich den gleichen Rationalisierungen folgten. Dies mag zum Teil zutreffen und aus Sicht seiner unscharfen "Kulturwertperspektive" auch logisch sein. Aber zum einen unterstellt er damit eine Konformität der Kritikerszene, die so nicht gegeben ist, zum anderen liefert er keine Erklärung für die geäußerte Kritik an Scientology außer dem Hinweis auf nicht weiter konkretisierte "Stigmatisierungsinteressen". Doch wenn er behauptet, dass dem "authentischen scientologischen Wirklichkeitsmodell" und der "Devianzkonstruktion des öffentlichen Diskurses" dieselben normalgesellschaftlichen Rationalisierungen zugrunde liegen, dann verlangen die Devianzvorwürfe geradezu nach einer Erklärung.
Von religionswissenschaftlichem Interesse könnte Willms' Erörterung des religionssoziologischen Diskurses zu Scientology sein. Seine Hauptkritik richtet sich hier gegen die Unterstellung eines irrationalen Kerns, versucht er doch gerade zu zeigen, dass Scientology nur im Rahmen "kulturwertperspektivischer" Rationalitätsvorstellungen zu verstehen ist. Er will sich nicht festlegen, ob Scientology als Religion zu betrachten ist oder nicht. Er konstatiert zwar einerseits Vorstellungen, die er als religiös charakterisiert, findet aber so gut wie keine religiösen Bezüge in der scientologischen Praxis. Er betont die rational-wissenschaftlichen Intentionen Hubbards und den entsprechenden Charakter des scientologischen Produkts, andererseits fordert er, den scientologischen Anspruch, als Religion anerkannt zu werden, zu respektieren. Eine genauere Klärung, was er unter "religiös" bzw. "spirituell" versteht, wäre hier hilfreich gewesen.
Willms vertritt eine interessante und diskussionswürdige These. Es wäre wichtig, sie über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus in die gesellschaftliche Debatte über Scientology und über sog. "Sekten" einzubringen. Doch neben dem sperrigen Sprachstil sind es vor allem die pauschalen Stigmatisierungsvorwürfe, die dies verhindern werden.
Stefan Schlang, Köln
Shawn D. Haley; Curt Fukuda, The Day of the Dead. When Two Worlds Meet in Oaxaca, Oxford: Berghahn Books 2004, 149 S., ISBN 1-84545-083-3, 19,95 brit. Pfund
In Mexiko hat der Tod auch eine süße Seite: Jedes Jahr im Oktober füllen sich die Regale der Lebensmittelläden und Konditoreien mit Totenköpfen aus Schokolade und Zuckerguss. Marktstände und fliegende Händler bieten Skelettfiguren aus Holz, Pappe oder Keramik an und überall werden pan de muertos (Totenbrot), Schokolade, Kerzen und Weihrauch verkauft. Die Mexikaner stimmen sich auf den Tag der Toten ein, dessen Festlichkeiten sich jedes Jahr vom 31. Oktober bis 2. November erstrecken und die am Allerseelentag ihren Höhepunkt erreichen. Dieses Totengedenken geht schon auf vorchristliche Zeremonien zurück, die von den Spaniern auf die Allerheiligen-Allerseelen-Festtage verschoben wurden, jedoch bis in die Gegenwart ihren eigenen und nur oberflächlich katholisierten Charakter nicht verloren haben. Die Gräber werden herausgeputzt und in Privathäusern, Läden oder auf öffentlichen Plätzen werden Ofrendas, wundervoll dekorierte Gabentische für die Totenseelen, aufgebaut. Am Allerseelentag ziehen die Familien mit Blumen, köstlichen Speisen und Getränken und Musik auf die Friedhöfe, um die an diesem Tage wiederkehrenden Seelen ihrer Verstorbenen, die lebenden Verwandten und zahlreichen Besucher zu bewirten.
Zwei nordamerikanische Forscher, die die Sitten und Bräuche dieses Tages in den Dörfern um Oaxaca, der Hauptstadt des gleichnamigen mexikanischen Bundesstaates mit einem starken Anteil indianischer Bevölkerung, seit Jahren erforscht haben, sind sich durch einen glücklichen Umstand begegnet und haben beschlossen, ihre Forschungsergebnisse gemeinsam zu veröffentlichen: der Ethnologe und Archäologe Shawn D. Haley aus Alberta und der kalifornische Fotograf Curt Fukuda. Daraus ist eine sehr detaillierte, facettenreiche Studie der Traditionen des Tages der Toten entstanden.
Der besondere Gewinn dieser Studie besteht darin, dass der Tag der Toten - über den auch zahlreiche andere Studien vorliegen - mit seinen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Implikationen beschrieben wird. Der Leser kann Anteil nehmen an den planerischen Überlegungen und Erwartungen, den Vorbereitungen, Durchführungen, Freuden oder auch Enttäuschungen dieses Tages. So gewährt diese punktuelle Studie einen tiefen Einblick in die traditionelle ländliche mexikanische Kultur und Mentalität. Die Abhandlung bleibt allerdings deskriptiv und geht - mit Ausnahme der Diskussion um das Thema Totenkult - theoretischen Erwägungen eher aus dem Wege. Die fotografischen Beiträge lassen erkennen, dass sie auf sorgfältigen, einfühlsamen und langjährigen Beobachtungen beruhen. Die Ankündigung des Verlags "the photography is absolutely outstanding [and] a model of how to use professional quality visual material" findet der Leser allerdings nicht erfüllt. Vielmehr sind die zahlreichen Bilder aufgrund einer unzureichenden Schwarz-Weiß-Reproduktion oft nur schlecht zu erkennen und lassen den Wunsch aufkommen, diese Fotos einmal in Farbe und in ihrer originalen Qualität betrachten zu dürfen.
Rainer Neu, Wesel
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