Das Schlagwort ›Religionskritik‹ mag im ersten Moment wohl am ehesten Assoziationen mit der im 19. Jahrhundert einsetzenden Religionskritik als Ablehnung von Transzendenz bzw. als Atheismus evozieren. Daher kann es eine interessante neue Perspektive eröffnen, einen Blick auf das 12. Jahrhundert zu werfen, namentlich auf Bernhard von Clairvaux und seine Apologie an Abt Wilhelm, in welcher Bernhard sowohl ein Modell für innerchristlichen Pluralismus entwickelt als auch gleichzeitig harsche Kritik an anderen christlichen Lebensweisen übt. Nach einer kurzen Vergegenwärtigung des Textes wird zunächst die Verwendung des Begriffes ›religio‹ auf der Objektebene untersucht, wobei sich andeutet, dass die Auseinandersetzung zwischen den aufstrebenden Zisterziensern und der altbenediktinischen Spiritualität sich bei Bernhard als ein Problem im Zusammenhang mit der Definition eben dieser ›religio‹ zeigt. Abschließend ist zu schauen, inwieweit es sich dabei aus religionswissenschaftlicher Sicht um Religionskritik handelt.
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