Vasilios N. Makrides, "Religion, Kirche und Orthodoxie. Aspekte orthodox-christlicher Religionskritik", in: ZfR 15, 2007, 53-82.

Dass es - historisch gesehen - zahlreiche Verständnisprobleme zwischen christlicher Theologie und nichtchristlichen Religionen und zusätzlich dazu eine besondere christliche Religionskritik gab und noch heute gibt, ist in der relevanten Forschung weitestgehend bekannt. Jedoch beziehen sich die meisten Arbeiten in diesem Bereich auf entsprechende römisch-katholische und protestantische Diskurse, wobei die verschiedenen, in den orthodoxen Kirchen und Kulturen entstandenen Diskurse über Religion bei weitem außer Acht gelassen werden. Einige orthodoxe Theologen und Denker haben bisher versucht, eine eigene orthodoxe Theologie der Religionen zu entwickeln, die sich zum Teil von derjenigen des westlichen Christentums unterscheidet. Abgesehen davon gibt es eine bisher wenig beachtete und bekannte orthodoxe Religionskritik, die in letzter Zeit mehr an Popularität und Verbreitung gewinnt. Es handelt sich meistens um Diskurse orthodoxer Theologen und Denker, die unter anderem eine Differenzierung zwischen Religion und Kirche vornehmen und die dem Orthodoxen Christentum in seinen authentischen Formen den Religionsstatus absprechen wollen. In vielen Fällen geht die orthodoxe Religionskritik gleichzeitig mit einer Kritik am westlichen Christentum einher. Der Blick nach Westen bildete für die Orthodoxen historisch sowie bis heute ein bewährtes Mittel zur Abgrenzung und zur eigenen Identitätsbildung. In diesem Aufsatz werden ausgewählte orthodoxe Religionskritiken (insbesondere die von Christos Yannaras) exemplarisch dargestellt sowie ihre Argumentationslinien und -struktur analysiert. Darüber hinaus werden sie aus religionswissenschaftlicher Perspektive kritisch evaluiert. Schließlich wird auf den soziohistorischen Hintergrund und die Motive eingegangen, die hinter diesen orthodoxen Diskursen möglicherweise stehen.

 

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