Während in den letzten Jahren vermehrt Anstrengungen unternommen worden sind, das Verhältnis buddhistischer Mönche zu Krieg und Gewalt in verschiedenen Gesellschaften und Zeiten zu untersuchen, ist vergleichsweise wenig Konkretes über Gewalt im chinesischen Buddhismus bekannt. Der vorliegende Beitrag befasst sich alsdann mit der Frage, unter welchen Umständen und in welchem Maße sich buddhistische Mönche im vormodernen China aktiv an der militärischen Verteidigung gegen innere (Aufstände, Banditen) und äußere Bedrohungen (feindliche Armeen) beteiligten. Zeitlich gesehen liegt das Hauptaugenmerk dabei auf den Dynastien Song (960-1279) und Ming (1368-1644). Neben einigen einleitenden Bemerkungen zur Ambivalenz innerbuddhistischer Diskurse zum Thema Krieg und Gewalt und einem Exkurs in die Geschichte klösterlicher Armeen in Korea, Japan und dem mittelalterlichen China, werden im Hauptteil historische Quellen analysiert, die Aufschluss über die Aktivitäten kriegerischer Mönche in beiden Dynastien geben sollen. Dabei stehen besonders die buddhistischen Zentren Wutai und Shaolin im Mittelpunkt der Beobachtung, da sich in beiden eine gewisse Militanz institutionalisierte, die letztlich zur Entstehung eigener Kampfkunstschulen führte. Es wird versucht zu zeigen, dass die relative Verbreitung militärisch aktiver Mönche in den Dynastien Song und Ming hauptsächlich zurückzuführen sein dürfte auf das staatliche Unvermögen zur Befriedung kriegerischer Konflikte, welche die Sicherheit von Klöstern und ihren Bewohnern betrafen, als auch auf die großzügigen Ausschüttungen ökonomischer Ressourcen und Verleihung von Privilegien, die "heldenhaften Mönchen" häufig zugedacht waren und die die Prosperität eines Klosters entscheidend beeinflusst haben.
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