Asketen genießen in vielen religiösen Traditionen besonderes Prestige. Man spendet ihnen Gaben, bittet sie um religiöse Unterweisung und hofft, dadurch an ihrer spirituellen Kraft teilhaben zu können. Die Asketen geraten auf diese Weise in ein Dilemma, denn je mehr Zuwendung sie erhalten, umso schwerer wird es für sie, die Lebensweise beizubehalten, für die sie verehrt werden. Bei der Betrachtung des asketischen Umgangs mit diesem Dilemma anhand von textlichen Quellen aus Hinduismus, Buddhismus und Christentum lassen sich vier Ansätze unterscheiden: die radikale Weltflucht, die Erzeugung von Antiprestige, die Adaption und die Institutionalisierung des Prestiges. Eine kritische Untersuchung der aus Asketensicht verfassten, normativen Texte kann außerdem Aufschluss über Prestigekonzepte der nichtasketischen Bezugsgruppen geben und die Debatte über den Missbrauch von Asketenprestige erhellen. Eine besondere Rolle spielt in den Texten die Vorstellung, dass für Asketen Prestige nicht erstrebenswert sei.
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