Franz Winter, "Vom spirituellen Medium zum wiedergeborenen Buddha und darüber hinaus. Zum Wandel im Selbstverständnis des Gründers der japanischen Religionsgemeinschaft Kōfuku no kagaku", in: ZfR 16, 2008, 59-81.

Die 1986 begründete Religionsgemeinschaft Kōfuku no kagaku zählt zu den jüngsten Entwicklungen in der lebendigen Religionenwelt Japans. Durch ihren offensiven Auftritt Anfang der 90er Jahre, der begleitet war von einer breiten massenmedialen Wahrnehmung und einem veritablen "Skandal" (die so genannte "Friday"-Affäre), wurde die Gruppe japanweit bekannt. Sie wird heute oft als eines der Paradebeispiele für diejenigen Entwicklungen zitiert, die man gemeinhin als shin-shinshūkyō (Neu-Neureligionen) bezeichnet. In diesem Beitrag geht es darum, einen spezifischen Aspekt der Entwicklung dieser Religionsgemeinschaft nachzuzeichnen. Es kann nämlich in Bezug auf den Gründer der Gruppe die Genese seines Selbstverständnisses nachgezeichnet werden. Der anfänglich als spirituelles Medium und Vermittler von Botschaften aus der "Geistwelt" (reikai) agierende Ōkawa wandelte innerhalb einer kurzen Zeit seinen Selbstanspruch und präsentierte sich als die Wiedergeburt des Buddha für die moderne Welt. Diese Präsentation erfuhr daraufhin noch zusätzlich eine Erweiterung durch die Festlegung einer Vorinkarnationslinie, die nicht nur den Buddha, sondern weitere Gestalten einer mythischen Vorgeschichte der Zivilisationen umfasste. Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, diese Entwicklung nachzuzeichnen und den stufenweisen Ausbau des Anspruchs anhand des zur Verfügung stehenden Materials vorzustellen.

 

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