Michael Stausberg, "Vor und nach der middle passage: Varianten des Ritualtransfers in der afroamerikanischen (Religions-) Geschichte", in: ZfR 18, 2010, 39-69.

Ritualtransfer bezeichnet Vorgänge der Kontextverschiebung von Ritualen. Diese Kontextverschiebungen führen in der Regel zu Änderungsprozessen. Migration und Mission sind wichtige Ausgangssituationen für Ritualtransfer. Dieser Aufsatz analysiert zunächst Muster der Anpassung und Modifikation ritueller Handlungen, Substanzen, Spezialisten und Stätten in der frühen christlichen und islamischen Mission Westafrikas und behandelt sodann einen besonders dramatischen Fall von Migration: die massenhafte Zwangsverschiffung von Menschen in die nordamerikanische Sklaverei. Die Quellen bezeugen Spuren religiöser Expressivität und Kreativität. Im Prozess der Verchristlichung der afroamerikanischen Bevölkerung begegnen performative und zeremonielle Mischformern. Besonders die performativen Genres von Tanz und Musik markierten ein Spannungsfeld zwischen afrikanischen und christlichen rituellen Repertoires. Ritualänderungen beziehen sich auf Handlungen und Strukturen ebenso wie auf deren Interpretationen. In systematischer Hinsicht schlägt der Aufsatz eine Unterscheidung folgender Modi des Ritualtransfers vor: Retention, Assimilation, Interferenz, Mutation, Substitution, Integration und Aggregation.

 

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