Die Religionsphänomenologie hat eines ihrer erklärten Ziele, die Erarbeitung eines universal anwendbaren Klassifikationsinstrumentariums für religiöse Phänomene, verfehlt; freie Assoziation ist an die Stelle methodisch kontrollierten Vergleichens getreten. Diese letztere Aufgabe besteht aber nach wie vor; sie wird hier am Beispiel des Themas "Paradies" konkretisiert. Die religionswissenschaftliche Rekonstruktion des Phänomens hat eine klassifikatorische, eine synchrone und eine diachrone Dimension: Paradiesvorstellungen müssen mit den Mitteln einer religionswissenschaftlichen Metasprache beschrieben und in ihren gesamtgesellschaftlichen wie historischen Kontext eingeordnet werden. Diese Aufgabenstellung wird am sumerischen Dilmun-Mythos entfaltet. Von diesem literarischen Dokument her wird die Frage nach der Vergleichbarkeit im Hinblick auf andere Phänomene gestellt. Vergleiche sind von verschiedenen Gesichtspunkten her möglich, einerseits von bestimmten Inhalten, andererseits vom "Verlaufs-" oder "Transformationsprogramm" des Textes her; sie können neben sprachlichen auch andere (visuelle, handlungsmäßige) Kodierungsformen umfassen. Solche Vergleiche sind zunächst im Binnenraum derselben Kultur angezeigt, sie können darüber hinaus kulturell benachbarte Räume umfassen und schließlich noch weiter ausgreifen. Je umfassender der Vergleichshorizont wird, desto mehr treten Vergleiche, die an bestimmten Inhalten orientiert sind, zugunsten von Vergleichen im Hinblick auf Transformationsprogramme zurück.
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