Hans G. Kippenberg, "Rivalitäten in der Religionswissenschaft. Religionsphänomenologen und Religionssoziologen als kulturkritische Konkurrenten", in: ZfR 2, 1994, 69-89.

Der Aufsatz geht den Rivalitäten nach, die zwischen den Gründern der Religionsphänomenologie und der Religionssoziologie bestanden. Diese folgten nicht aus einer unterschiedlichen wissenschaftlichen Konzeption von Religion, denn beide Seiten haben sich dem spekulativen Präanimismus von R. R. Marett angeschlossen. Wenn es keine religionswissenschaftlichen Differenzen in der Sache gab, was war dann der Grund ihrer Rivalität?
Wenn man die beiden wissenschaftlichen Paradigmen in den Kontext des Problems des Historismus stellt, erkennt man, daß beide sich auf unterschiedliche Lösungen stützten: die Religionsphänomenologie auf die der Lebensphilosophie, die Religionssoziologie auf die des Neukantianismus. Eine genauere Untersuchung zeigt, daß beide Lösungen Religionsgeschichte unterschiedlich rekonstruierten: eine sah in ihr die symbolische Repräsentation mystischer Erfahrung, die andere die Konzeption von Weltverhältnissen. Beide Interpretationen waren eng mit zwei Typen von Kritik an moderner Kultur verbunden, die Religion entweder als Mystik oder als Begründung unterschiedlicher Handlungsrationalitäten in die moderne Kultur repatriieren wollten.

 

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