Martin Baumann, "'Merkwürdige Bundesgenossen' und 'naive Sympathisanten'. Die Ausgrenzung der Religionswissenschaft aus der bundesdeutschen Kontroverse um neue Religionen", in: ZfR 3, 1995, 111-136.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland wurde neuen Religionen, abschätzig als »Jugendsekten« betitelt, ein angesichts ihrer Mitgliederzahlen überproportional großes gesellschaftliches Interesse zuteil. Anders als etwa in den USA oder in Großbritannien konnten religionswissenschaftliche und religionssoziologische Stimmen und Studien jedoch nicht Einfluß auf den Verlauf der Debatte nehmen. Ein Rückblick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte läßt deutlich werden, daß Studien, die zur Versachlichung des Themas aufriefen, aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgegrenzt und stigmatisiert wurden. Der Beitrag analysiert den Verlauf dieser Debatte im Detail und benennt Strukturen und Interessennehmer der Ausgrenzung. Das gesellschaftliche Schattendasein der Religionswissenschaft liegt jedoch auch an eigenen Versäumnissen, so unter anderem an der mangelnden Vermittlung ihrer spezifischen Untersuchungsansätze. Eine Forschungsperspektive 'neue Religionen', die Religionsneubildungen sowohl in moderner als auch vormoderner Zeit untersucht, könnte die Besonderheit religionswissenschaftlicher Fragestellungen aufzeigen und zugleich den gesellschaftlich kontrovers diskutierten Phänomenbereich in einen größeren Kontext setzen.

 

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