Horst Junginger, "Ein Kapitel Religionswissenschaft während der NS-Zeit: Hans Alexander Winkler (1900-1945)", in: ZfR 3, 1995, 137-161.

Der Tübinger Privatdozent für Allgemeine Religionsgeschichte Hans Alexander Winkler wurde im September 1933 wegen früherer Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei entlassen. Obwohl er sich als Religionswissenschaftler und Orientalist bereits einen Namen gemacht hatte, lehnten die Kultusbehörden und die hinzugezogenen politischen Instanzen seine Wiederverwendung strikt ab, so daß sich Winkler verstärkt der ethnologischen Feldforschung in Oberägypten zuwandte. Um die Mitte der 30er Jahre veröffentlichte er wichtige Arbeiten zur Ägyptologie und Ägyptischen Volkskunde und trat schließlich im Spätsommer 1939 in die Dienste des Auswärtigen Amtes, weil sich für ihn eine Universitätslaufbahn als unmöglich erwiesen hatte. Als Angehöriger jener 'verlorenen Generation' des 1. Weltkrieges war es Winkler trotz größter Anstrengungen verwehrt geblieben, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Stattdessen fanden seine herausragenden wissenschaftlichen Fähigkeiten nun in der NS-Kriegspolitik Verwendung.

 

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