Eurozentristische Vorverständnisse haben die Methoden und Ergebnisse der Religionswissenschaft von Anfang an ebenso geprägt wie die zeitgleicher akademischer Disziplinen (zum Beispiel Orientalistik, Theologie und Ethnologie). Umso erstaunlicher ist es, daß in der Religionswissenschaft - anders als etwa in der Ethnologie - dieses Problem der Beschreibung fremder Religionen und Kulturen im eigenen Vorstellungshorizont nicht explizit behandelt wurde. So gibt es in der Religionswissenschaft, von einigen Ansätzen abgesehen, bislang noch keine Forschungsdebatte, die sich mit der Aufarbeitung von methodisch reflektierten Formen des Umgangs mit Eurozentrismen beschäftigt. Anhand der Differenzierung von terminologischen und "systemischen" Eurozentrismen sowie terminologischen und kontextgebundenen Bewältigungsstrategien wird exemplarisch eine Bilanz der bisherigen Forschungsgeschichte zu diesem Thema versucht und ein Modell der Transformation eurozentrischer Vorverständnisse in komplexere kulturwissenschaftliche Deskriptionszusammenhänge vorgestellt.
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