Mehr als ein Jahrzehnt nach dessen Tod ist die religionssoziologische Theorie Georges Dumézils (1898-1986) weiterhin Gegenstand der Debatte. Keineswegs nur neben dieser Debatte her, sondern vielmehr auf Dumézils wissenschaftliche Grundposition hin reflektiert hat sich seit 1984 eine Kontroverse um Dumézils politisch-weltanschauliche Position entsponnen (Stroumsa). Initiiert von Arnaldo Momigliano, zugespitzt von Carlo Ginzburg und in den 90er Jahren insbesondere von der französischen Presse mit ideologischem Eifer aufgegriffen, lief, schließlich provokant verkürzt, die Debatte um Dumézils politische Weltanschauung auf die Frage hinaus, ob man in ihm einen Proto-Nazi zu sehen habe, jemanden, der durch sein Werk der nationalsozialistischen Propaganda zugearbeitet habe. Nachdem vor allem Didier Eribon 1992 die Polemik durch seine gründliche Dumézil-Studie entschärfen konnte, besteht gleichwohl Diskussionsbedarf über die Frage, aus welchen Grundpositionen Dumézils Erkenntnisinteresse und Theoriebildung gespeist waren und ob diese Grundpositionen in der Nähe totalitärer Positionen gerückt werden können. Nachdem Guy G. Stroumsa 1997 dieser Zeitschrift seinen Beitrag zum letztgenannten Komplex angeboten hatte, schied es den Herausgebern reizvoll und ratsam, Georges Dumézil ein Themenheft zu widmen, in dem aktuelle repräsentative Standpunkte zu Werk und Person Gehör finden sollten. Die in der Folge eingegangenen Beiträge sind daher dem Artikel Stroumsas nachgeordnet. [...]
[Aus der Einführung]
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