Carsten Balzer, "Santo Daime in Deutschland - eine verbotene Frucht aus Brasilien", in: ZfR 7, 1999, 49-79.

Der Artikel untersucht die Folgen eines joint-ventures der europäischen New-Age-Organisation TNI mit dem Santo Daime, einer brasilianischen Religion, die in den 30er Jahren in Amazonien entstand. Ziel dieses ungewöhnlichen joint-ventures war es, auf dem europäischen "Markt der Religionen" Rituale anzubieten, in deren Mittelpunkt die Einnahme des Pflanzenhalluzinogens Ayahuasca stand. Einige problematische Erfahrungen der Teilnehmenden in Berlin und anderen deutschen Städten führten zu einer kontroversen Diskussion in Teilen der deutschen Medien und zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
Vor dem Hintergrund einer ausführlichen Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Santo Daime in Brasilien werden die Umstände des Exportes dieser Rituale und die Unterschiede in der Konzeption und in den Auswirkungen der Rituale in Brasilien einerseits und in Deutschland andererseits veranschaulicht. Eine Analyse des set und des setting der in Berlin erfahrenen Ayahuasca-Rituale zeigt, daß deren problematischen Auswirkungen nicht auf das Halluzinogen Ayahuasca selbst, sondern primär auf die Vermittlung dieser Halluzinogen-Rituale über einen »Markt der Religionen« und die damit verbundene Kommerzialisierung des Santo Daime und seiner Rituale zurückzuführen sind.

 

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