Das Phänomen der rituellen oder verbalen Reise, welche durch Schamanen oder Tribalpriester allein durch gesungene Worte unternommen wird, ist bei den tibeto-birmanischen Gruppen des zentralen Himalaya weit verbreitet. Der Beitrag betrachtet diese religiöse Praktik als eine kulturelle Konstruktion von Raum und Örtlichkeit: Die durch Serialisierung von Ortsnamen erzeugte Bewegung durch eine mit Bedeutungen und Erinnerungen durchdrungene Landschaft erschafft eine mytho-rituelle Topographie, die für die jeweilige Kultur ein grundlegendes Orientierungsmuster bildet. Die Untersuchung der verschiedenen Traditionen bei den Kiranti (Rai und Limbu), Tamang, Gurung und Magar in den Bergen Nepals zeigt zahlreiche Ähnlichkeiten (insbesondere die Bedeutung von Vertikalität, Hangorientierung, Nord-Süd-Achse), aber auch Unterschiede. Dabei wird deutlich, daß diese »imaginierten Landschaften« eine wichtige Rolle bei der Bildung von Identität spielen, damit auch eine politische Dimension besitzen und durchaus wandelbar sein können.
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